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Moritz Ebert von der HSG Konstanz feiert als bester Torwart der Beachhandball-EM die Bronzemedaille

Die HSG Konstanz berichtet:

„Kindheitstraum ist in Erfüllung gegangen“

Stolzer Bronzemedaillengewinner: Moritz Ebert war bei der Beachhandball-EM mit 43 Prozent gehaltenen Bällen bester Torhüter des Turniers – Foto: Andreas Joas
„Vor zehn Jahren hatte als kleiner Junge jeder dieses Ziel einer Medaille bei einem großen Turnier – und jeder wusste zugleich, dass das total unrealistisch ist“, lacht Moritz Ebert, A-Jugend-Torwart der HSG Konstanz. Doch nun ist alles anders, jetzt baumelt sie tatsächlich um seinen Hals, die im Sonnenlicht glitzernde Bronzemedaille für den dritten Platz bei der Beachhandball-Europameisterschaft der U17-Nationalteams. Und Ebert kann wahrlich stolz auf das Erreichte sein. Die DHB-Auswahl musste sich lediglich zweimal geschlagen geben – zweimal gegen Titelträger und Seriensieger Spanien, einmal davon ganz unglücklich im Halbfinale.
Ein Moment, wie er bitterer nicht sein konnte. Im Gruppenspiel gingen beide Halbzeiten noch an die Iberer, wenn auch denkbar knapp mit 17:16 und 16:14. In den anderen Partien zeigte Deutschland mit einem überragenden Moritz Ebert zwischen den Pfosten, der in der Gruppenphase auf über 50 Prozent gehaltene Würfe kam – Bestwert aller Keeper –, jedoch seine große Klasse und eine deutliche Weiterentwicklung im Vergleich zu den europäischen Titelkämpfen vor einem Jahr. Mit Siegen gegen die Ukraine, Serbien und die Schweiz marschierte Deutschland in das Viertelfinale und besiegte hier auch Polen mit Gewinn beider Halbzeiten.

Dann kam wieder Angstgegner Spanien im Halbfinale. Die dritte Chance nach der Vorrundenpleite und dem bitteren Viertelfinal-K.o. bei der letzten Europameisterschaft. Dieses Mal war das DHB-Team so nahe dran wie noch nie. Die erste Halbzeit konnten die Talente um Moritz Ebert dank starker Torhüterleistung des Konstanzers sensationell 15:14 für sich entscheiden, die zweite ging 19:17 an Spanien. Die Folge: Shootout, alles oder nichts. Deutschland leistete sich einen Fehlwurf, Ebert konnte den letzten Penalty nicht abwehren: Spanien im Finale, Deutschland am Boden. Ebert war sofort in sich zusammengesackt und vergrub sich, mit dem Gesicht voraus, minutenlang im Sand. Kein Mitspieler, Trainer oder Spanier konnte ihn in diesem Moment trösten.

„Ein ganz, ganz bitterer Moment“, sagt der 16-Jährige. „Wir hatten den Titelverteidiger schließlich am Rande der Niederlage und dann ist es so knapp und es entscheidet auch ein wenig Glück.“ Bewundernswert war nun die schnelle Auferstehung der deutschen Mannschaft. Nur wenige Stunden nach dem bitteren Aus gegen den späteren erneuten Europameister stand das Spiel um Platz drei gegen Russland auf dem Programm. „Wir waren alle total gefrustet und niedergeschlagen, aber beim gemeinsamen Essen haben wir uns gesagt: wir holen uns jetzt diese Medaille, das war und ist unser Ziel. Wie wir das gelöst haben, war großartig“, erzählt der Schlussmann.

Vor 800 Zuschauern in der Zagreber Beacharena musste erneut im Shootout die Entscheidung herbeigeführt werden, nachdem je eine Hälfte an Deutschland und Russland ging (19:16, 16:17). Es folgte die Geschichte des Turniers. Moritz Ebert sollte nach ein paar erfolgreichen Versuchen des Gegners durch den zweiten Keeper ersetzt werden, doch der Konstanzer sah, dass der russische Linkshänder antreten sollte, gegen den er zuvor schon zweimal parieren konnte. Er suchte das Gespräch mit Nationaltrainer Konrad Bansa. „Ich habe gesagt lass mich drin, den Ball hole ich raus“, grinst der Blondschopf verschmitzt. Ebert blieb im Kasten, parierte tatsächlich den entscheidenden Versuch, wurde zum Helden und erneut im Sand begraben, als seine Mitspieler auf das Spielfeld stürmten. Dieses Mal mit Freudentränen im Gesicht.

Deutschland war nach einem 13:12 im Penaltywerfen EM-Dritter und hatte sich die Bronzemedaille gesichert. „So ein Wahnsinn, ich bekomme den Ball an das Knie und er geht von dort an die Latte, danach war nur noch Jubel und pure Erleichterung“, strahlt er mit der Sonne um die Wette. „Wir haben eine super EM gespielt und können alle stolz auf uns sein. Davon träumt jedes kleine Kind, da ist ein Traum in Erfüllung gegangen.“ Aber auch persönlich hatte Ebert einen bärenstarken Eindruck hinterlassen, wurde von vielen Trainern und Spielern als bester Torwart des Turniers gelobt. Die Statistiken bestätigen diesen Eindruck: Über 50 Prozent parierte Würfe in der Vorrunde, 43 Prozent über das ganze Turnier gesehen waren Topwert aller Torhüter. Ein kleiner Wermutstropfen bleibt, wenngleich sich Moritz Ebert darüber nicht ärgern möchte. Nicht er, sondern der spanische Keeper wurde als bester Schlussmann des Turniers ausgezeichnet, nachdem der Deutsche Emil Paulik bereits zum MVP gewählt worden war. Offenbar wollte man nicht beide Individualauszeichnungen einer Nation zusprechen. Nationaltrainer Konrad Bansa konnte dies dennoch wie viele andere nicht nachvollziehen und erklärte mit einem Schmunzeln: „Bei der Wahl zum besten Torwart muss man sagen, dass die EHF wohl blind war.“

Ebert selbst freut sich über die Medaille und kann diese subjektive Entscheidung, die nicht auf den Statistiken fußt, verschmerzen: „Es hat mich gefreut, dass ich meine Leistung abrufen konnte und viel Lob erhalten habe. Sogar der spanische Keeper meinte, ich hätte die Auszeichnung verdient gehabt.“ Vielmehr stand ihm ein breites Dauergrinsen im Gesicht, nachdem die DHB-Auswahl mit die meisten Fortschritte seit der letzten EM gemacht habe. „Ich sehe eine rosige Zukunft für uns, vielleicht gelingt uns beim nächsten Mal der ganz große Wurf.“ Ein Platz unter den ersten vier Mannschaften ist das erklärte Mindestziel, denn somit wäre man für die nächste Weltmeisterschaft qualifiziert. Aber zuerst genießt die Nachwuchshoffnung der HSG Konstanz den Moment und sagt, immer noch von den Eindrücken der letzten Tage überwältigt: „Das ist ein unfassbares Gefühl, das kann man nicht beschreiben. Einfach gigantisch, dafür macht man den Sport.“


   

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