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HSG Konstanz – ThSV Eisenach 20:22

Die HSG Konstanz berichtet:


Fotos: Peter Pisa

Tränen und La-Ola-Welle zum Abschluss: Konstanz feiert mit Eisenach

Eine der erfolgreichsten Spielzeiten der HSG Konstanz ging mit einem emotionalen Abend zu Ende. Auch, wenn mit vielen Wechseln und ungewohnter Aufstellung im letzten Spiel trotz Vier-Tore-Führung kein weiterer Erfolg gegen Erstliga-Absteiger ThSV Eisenach gelang, so wurde trotz der unglücklichen 20:22 (10:8)-Niederlage ausgelassen gefeiert und mit Simon Flockerzie, Matthias Stocker, Patrick Glatt und Gregor Thomann vier verdiente Spieler mit ergreifenden Szenen verabschiedet. Zwar hätte ein durchaus möglicher Abschlusssieg Tabellenplatz elf in der 2. Handball-Bundesliga bedeutet, doch auch so sind die Verantwortlichen hochzufrieden mit 35 Punkten und Rang 14 im 20 Mannschaften starken Teilnehmerfeld.
„Ich bin einfach nur wahnsinnig dankbar, dass ich Teil dieser HSG-Familie sein durfte“, verkündete Simon Flockerzie nach neun Jahren bei der HSG Konstanz und seinem letzten Handballspiel als Aktiver bewegt. Immer wieder wurde er dabei durch minutenlange Standing Ovations und „Super Flocke, super Flocke, hey, hey“ unterbrochen. Sichtlich ergriffen, mit seiner kleinen Tochter auf dem Arm, fuhr er fort, als es ihm möglich war: „Ich bin dankbar, dass ich Teil dieses Teams sein durfte. Es war etwas ganz Besonderes, danke Jungs. Die letzten zwei Jahre waren das Highlight meiner Karriere.“ Für die Zukunft hatte er auch noch einen Wunsch parat, bevor er sich mit HSG-Präsident Otto Eblen in den Armen lag, danach in denen der Spieler – alles unter tosendem, langanhaltendem Applaus der Konstanzer Fans. „Es ist nicht selbstverständlich, dass man so ein Team hat wie hier. Bleibt beieinander, bleibt so stark, wie ihr seid. Ich glaube, dass das Limit noch nicht erreicht ist. Ich glaube fest daran.“ Und an die Fans gerichtet: „Es war mir eine Ehre, für Euch zu spielen. Es macht mich stolz, Konstanzer zu sein und es war nicht das letzte Mal, dass wir uns gesehen haben.“

Besser hätte der Abend nicht zusammengefasst werden können. Denn es herrschte trotz einer unnötigen und unglücklichen Niederlage allerbeste Stimmung im Konstanzer Lager, es wurde gefeiert, es wurden emotionale Verabschiedungen mit sehenswerten Videos der Mannschaft zu jedem einzelnen Spieler zelebriert und die Konstanzer und Eisenacher Fans begingen gemeinsam den Abschluss einer extrem langen und intensiven Saison, in der die HSG Konstanz mit im Vergleich zur Meistermannschaft des vergangenen Jahres kaum veränderter Aufstellung eine der ganz großen, positiven Überraschungen in der stärksten zweiten Liga der Welt ist.

Vergessen war da auch schnell der Ärger über viele nicht nachvollziehbare Entscheidungen der beiden Unparteiischen, die die mit knapp 1300 Zuschauern wieder gut besuchte „Schänzlehölle“ noch einmal richtig zum Kochen und Brodeln gebracht hatten. In einer überaus fairen Partie wurden 15 Zeitstrafen, 30 Strafminuten verhängt, acht für die Hausherren, sieben für die Thüringer.

Trotzdem gingen die mit Stefan Hanemann in der ersten und Patrick Glatt in der zweiten Halbzeit angetretenen Bodenseestädter nach zehn Minuten erstmals mit 5:4 in Führung. Während beim ersatzgeschwächten ThSV Eisenach vieles über den überragenden 2,04-Meter-Hünen Matthias Gerlich lief, der immer wieder aus der zweiten Reihe erfolgreich war, wechselte HSG-Trainer Daniel Eblen munter durch und gönnte vor allem den Spielern, die nach der finalen Begegnung verabschiedet wurden, viel Spielzeit – ebenso wie Akteuren, die im bisherigen Saisonverlauf eher weniger Einsatzzeiten bekommen hatten. Das tat dem Spielfluss jedoch kaum einen Abbruch, denn es entwickelte sich ein munteres Spielchen, in dem beide Mannschaften noch einmal hohen Einsatz und Tempo zeigten.

Michael Oehler und Chris Berchtenbreiter mit einem wunderbaren Heber vom Kreis stellten auf 10:8 zur Pause, obwohl Konstanz zuvor einige Male mit dem Kopf durch die Wand wollte und das gezielte in Szene setzen der Abgänge einige Male schief ging. Aber nicht bei Patrick Glatt. Direkt nach seiner Einwechslung parierte er dreimal, entschärfte später gar einen Siebenmeter von Thomas Urban und kam damit auf insgesamt acht Paraden und 38 Prozent abgewehrte Würfe. Als dann auch noch Tim Jud mit einem Schlagwurf in den Winkel auf 12:8 erhöhte (33.) stand die Halle Kopf und es hallten HSG-Sprechchöre von einem Tribünenblock zum nächsten. Kurz darauf schwappte die La-Ola-Welle durch die Halle.

Dann machten die beiden Schiedsrichter und bemerkenswerter Kampfgeist der dezimierten Truppe aus der Wartburgstadt die Partie wieder spannend. Nach 47 Minuten erzielte der slowakische Nationalspieler Thomas Urban erstmals seit dem 8:8 wieder den Ausgleich zum 15:15 und erhöhte sukzessive auf 20:17 (53.), später sogar auf 22:18 (57.). Die HSG Konstanz haderte in dieser Phase wieder einmal mit zahlreichen Pfosten- und Lattentreffern, wollte sich aber noch nicht geschlagen geben. Zweieinhalb Minuten vor dem Ende verkürzten Matthias Stocker und Gregor Thomann noch einmal auf 20:22 – und Eisenach wackelte. Hätte Konstanz nicht mehrmals die Chance bei freien Wurfgelegenheiten zum Anschluss ausgelassen, es hätte einer dieser irren Schlussspurte sein können, die Konstanz so einige Male hingelegt hatte. So aber feierte Eisenach gemeinsam mit den zufriedenen Gastgebern den 22:20-Sieg.

An diesem Abend war dies ohnehin eine Randnotiz. Gästetrainer Christoph Jauernik lobte nach Schlusspfiff: „Das war noch einmal eine tolle Kulisse und Stimmung zum Abschluss. Heute hat die glücklichere Mannschaft gewonnen. Wir freuen uns schon auf die nächste Auswärtsfahrt nach Konstanz.“ HSG-Coach Daniel Eblen wollte sich nicht mehr mit „sinnlosen Analysen“ beschäftigen, sondern bedankte sich beim Konstanzer Publikum: „Jetzt feiern wir eine tolle Saison. Danke für die sensationelle Unterstützung in der gesamten Runde.“

Zum Abschluss, bevor es bei den vier Verabschiedungen richtig emotional wurde, freute sich Bürgermeister Dr. Andreas Osner, im HSG-Trikot gekleidet: „Wir sind stolz auf die HSG und die Zugehörigkeit zur 2. Bundesliga, eine wahnsinnige Leistung des ganzen Teams mit über 20000 Reisekilometern zu den Auswärtsfahrten. Die HSG ist ein hervorragender Botschafter der Stadt Konstanz.“

HSG Konstanz – ThSV Eisenach 20:22 (10:8)

HSG Konstanz: Patrick Glatt (8 Paraden), Stefan Hanemann (3 Paraden) (Tor); Fabian Schlaich (2), Gregor Thomann (6/2), Mathias Riedel (2), Simon Flockerzie, Matthias Stocker (3), Michael Oehler (1), Paul Kaletsch (2), Fabian Maier-Hasselmann (1), Felix Gäßler, Tim Jud (1), Chris Berchtenbreiter (1), Sebastian Bösing (1).
Trainer: Daniel Eblen

ThSV Eisenach: Gorobtschuk, Redwitz (12 Paraden), Brand (Tor); Iffert (1), Streckhardt, Emmelmann, Wöhler (6), Gerlich (6), Trautvetter, Hansen (1), Urban (3), Holzner, Heinemann (2), Lielais (3).
Trainer: Christoph Jauernik

Zuschauer: 1250.

Schiedsrichter: Kern/Kuschel

Strafminuten (min): 16 Min. (Gäßler (26.), Jud (27.) Oehler (39.), Schlaich (39., 53.), Kaletsch (47.), Riedel (49.), Flockerzie (55.)) – 14 Min. (Iffert (15., 48.), Hansen (20., 42.), Lielais (36., 59), Gerlich (44.))

Siebenmeter (T/V): 2/2 – 0/1 (Urban scheitert an Glatt, 39.)


   

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