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Interview mit Felix Gäßler vor: HSG Konstanz – HSG Nordhorn-Lingen

Die HSG Konstanz berichtet:

Foto: Peter Pisa

Kracher gegen Nordhorn-Lingen: „Stimmung im Rücken wie in Konstanz habe ich noch nie erlebt“

Erst 22 Jahre alt, aber schon um eine ganz Menge an Erfahrungen im höherklassigen Handball reich: Rückraum-Shooter Felix Gäßler ist nach Stationen bei der SG Leutershausen in der 2. Bundesliga, der SG Kronau/Östringen und der SG Köndringen/Teningen gut bei der HSG Konstanz angekommen. In der Vorbereitung und den ersten Spielen machte dem 1,94 Meter gebürtigen Lahrer noch eine Verletzung zu schaffen, mittlerweile fühlt er sich immer besser und bekommt mehr und mehr Spielanteile. Der Wirtschaftsrecht-Student wurde mit der B-Jugend Dritter bei der deutschen Meisterschaft und wird in Anlehnung an seinen Nachnamen, die genaue Entstehung ist nicht überliefert, überall nur „Gisi“ gerufen. In den beiden letzten Spielzeiten war er jeweils über 100 Mal für Köndringen-Teningen erfolgreich und damit zuletzt zweitbester Feldtorschütze der Breisgauer.
HSG-Pressesprecher Andreas Joas hat er im Interview verraten, warum er an eine Überraschung im nächsten Zweitliga-Heimspiel am Samstag, 20 Uhr, gegen die HSG Nordhorn-Lingen im Kracher-Spiel glaubt, was den besonderen Teamgeist bei der HSG Konstanz ausmacht und wie sich das Zusammenleben in der „Chaos-WG“ mit Kreisläufer Chris Berchtenbreiter gestaltet. Zudem spricht er über die bemerkenswerte Stabilität der HSG in fremden Hallen und die noch nie so wie in Konstanz erlebte Unterstützung durch die eigenen Fans.

Gisi, 26:23 beim TuS Ferndorf. Ein sehr wichtiger Sieg, dennoch habt ihr im Siegerland scheinbar ohne jeglichen Druck wie die Feuerwehr insbesondere in der ersten Halbzeit losgelegt. Wie ist das gelungen?

Klar war das sehr wichtig, weil wir jeden Punkt brauchen. Gerade einen vermeintlichen Konkurrenten um den Klassenerhalt zu schlagen kann und sollte das Ziel sein. Wir haben wirklich gut trainiert und waren bestens vorbereitet, auch auf die 3:2:1-Abwehr, die uns in Emsdetten noch Probleme bereitet hat. Wir wussten genau, was auf uns zukommt und jeder war sowas von heiß. Dann haben wir im Angriff gleich gut reingefunden, Konsti war zusammen mit der Abwehr eine große Hilfe und hat ein riesen Spiel abgeliefert. Dazu hat Paul im Angriff richtig gezündet, aber vor allem war es wieder die mannschaftliche Geschlossenheit, die uns ausgezeichnet hat. Jeder gibt immer 100 Prozent für jeden.

Neben dem Ausrutscher in Emsdetten stehen zwei Siegen zwei knappe Niederlagen gegen den ungeschlagenen Tabellenführer Bietigheim und den Dritten, den Erstliga-Absteiger Lübbecke zu Buche. Ein gelungener Saisonstart?

Vor allem die Niederlage gegen Bietigheim war sehr ärgerlich. Ich hatte das Gefühl wir waren an diesem Abend die – vor allem spielerisch – bessere Mannschaft. Am Ende hat sich aber vielleicht die individuelle Klasse der Bietigheimer durchgesetzt. Das hat dennoch viel Mut gegeben und war eine tolle Bestätigung für die harte Arbeit und dass wir eine super Truppe zusammenhaben. Obwohl ich als ehrgeiziger Sportler zumindest gegen Bietigheim auch gerne etwas Zählbares erkämpft hätte, kann man schon von einem guten, gelungenen Start in die Saison sprechen.

Auffällig ist dabei vor allem die Auswärtsstärke der HSG Konstanz. 4:2 Punkte bedeuten aktuell die sechstbeste Ausbeute in der 2. Handball-Bundesliga…

Wir bereiten uns auf den Gegner, diese Herausforderungen und Gegebenheiten mit den langen Fahrten alle gut vor. Jeder hat da so seine eigenen Rituale im Bus und wir werden natürlich zusätzlich überragend verpflegt. Das ist schon einmal eine gute Grundlage. Nach der Fahrt hat wieder jeder seine spezielle Methode, um schnell wieder fit zu werden. Ich dusche einmal schnell kalt, um richtig wach zu sein. Wir waren zuletzt auf den Punkt da, was viel mit Motivation zu tun hat. Die Fahrt ist komplett ausgeblendet, wir sind heiß, es zählt für uns dann nur noch Gas zu geben. Der Fokus liegt voll auf dem Spiel und man möchte nur noch raus und loslegen.

Was macht die 2. Bundesliga trotz des immensen Aufwandes mit insgesamt 20.414 Reisekilometern zu den Auswärtsspielen so attraktiv?

Die Gegner sind professioneller, wir bewegen uns alle in einem ganz neuen Umfeld mit neuen Hallen und Spielern. Dazu sind die Hallen voller, das Publikum lauter – das macht schon Spaß, zumal wir einfach eine geile Truppe sind und auch zusammen viel Spaß haben. Wir wollen das alle, haben es uns ausgesucht und genießen selbst die Zeit zusammen auf den langen Fahrten.

Am Samstag, 20 Uhr, steigt der Kracher gegen den ehemaligen deutschen Vizemeister und Europapokalsieger HSG Nordhorn-Lingen. Ein echtes Highlight, denn viel prominentere Namen gibt es im Bundesliga-Unterhaus kaum. Sind aller guten Dinge drei und der dritte haushohe Favorit, der nach Konstanz kommt, stolpert?

Das wird auf jeden Fall ein super Spiel. Bei Nordhorn spielen die Leistungsträger schon lange zusammen. Diese müssen wir vor neue Herausforderungen stellen, verhindern, dass sie ihr gewohntes Spiel aufziehen können. Dani wird uns wieder gut vorbereiten und schließlich spielt eine volle „Schänzle-Hölle“ eine nicht unwesentliche Rolle. Wir haben aus unseren kleinen Fehlern, die gegen die Topteams in der Schlussphase bestraft wurden, gelernt und sie im Training und im Videostudium analysiert. Wenn wir es schaffen, das Spiel lange offen zu gestalten, wird das ein tolles Match mit großer Stimmung. So kann eine Mannschaft wie die HSG Nordhorn-Lingen gerade bei einem Aufsteiger nervös werden, sich Gedanken machen – und dann müssen und wollen wir da sein.

Faktor Teamgeist: Obwohl es sieben Neuzugänge zu integrieren galt, wirkt das Team der HSG Konstanz schon wieder so eingeschworen und geschlossen, als ob es in dieser Besetzung bereits jahrelang zusammenspielt. Woher kommt dieser außergewöhnliche Teamspirit?

Man darf nicht außer Acht lassen, dass wir fast alle in der gleichen Altersklasse sind. Das macht es unglaublich leicht, sich einzuleben. Ich verstehe mich hervorragend mit allen, fühle mich schon heimisch und so, als ob ich schon Jahre hier sei. Man hat oft die gleichen Interessen und unternimmt auch privat viel zusammen. Das macht es auch für die Neuen sehr leicht, in die Mannschaft hineinzufinden.

Mit jeweils über 1.100 Zuschauern in den ersten beiden Heimspielen ist die HSG bester Aufsteiger und unter den Top-Ten der Zuschauertabelle der zweiten Liga. Nimmt man das während des Spiels überhaupt wahr und wie sehr trägt das?

Solch eine Atmosphäre wie in der „Schänzle-Hölle“ habe ich, obwohl ich schon ein wenig rumgekommen bin, noch nie in einer meiner Heimhallen erlebt. Hier bekommst du schon beim Einlaufen Gänsehaut, wirst nach jedem Tor und jeder guten Aktion durch die Fans nach vorne gepeitscht. Ich persönlich bin zwar während des Spiels im Tunnel, nehme nicht alles wahr – aber man spürt es immer wieder. Das pusht so ungemein.

Nach einer verletzungsbedingten Pause in der Vorbereitung: Bist Du mittlerweile wieder beschwerdefrei?

Ich fühle mich gut und habe keine Schmerzen mehr im Fuß und gutes Feedback erhalten. Es läuft immer besser und runder. Es hat nur etwas Zeit gebraucht, weil ich wohl etwas zu früh wieder eingestiegen bin.

Du wohnst zusammen mit Chris Berchtenbreiter in einer Wohngemeinschaft. Wie muss man sich das Zusammenleben in dieser, so war zu hören, Chaos-WG vorstellen?

(lacht) Das läuft super. Für uns beide ist das eine Premiere, bei meinen Stationen in Leutershausen und Kronau habe ich alleine gelebt. Auch das mit dem Abwasch bekommen wir hin, obwohl alles manchmal zwei bis drei Tage steht. Wir haben viel Spaß und eine tolle Wohnung. Natürlich hat diese Konstellation es nochmals leichter gemacht, in Konstanz so schnell anzukommen. Chris und ich haben in der Jugend zusammen viele Erfolge gefeiert. Jetzt die 2. Bundesliga zusammen zu erleben ist unschlagbar. Wir genießen das sehr, es hätte nicht besser für uns kommen können.

Du schiebst jeden Morgen zusätzliche Einheiten zum Mannschaftstraining im Fitnessstudio. Was treibt Dich an?
Das Krafttraining tut mir einfach gut. Man ist weniger anfällig für Verletzungen, – die letzte ließ sich nicht vermeiden, weil ich auf einem Schuh gelandet bin – hat vor allem weniger muskuläre Probleme und gibt mir einen guten Start in den Tag. Zuletzt habe ich sehr viel mit unserem Athletiktrainer Björn Gentner gearbeitet, das hat mich unglaublich weitergebracht, macht Spaß und gehört zum festen Ablauf dazu.

Das Schlusswort noch einmal zum Highlight am Samstag um 20 Uhr gegen Nordhorn-Lingen: Warum muss die Hegau-Bodensee-Region unbedingt in die Schänzle-Sporthalle strömen?

(lacht) Weil wir richtig heiß auf das Spiel sind und unbedingt den nächsten Sieg wollen. 6:6 Punkte wäre einfach überragend. Wir werden sicher unsere Chance haben, werden einen riesen Fight abliefern und zusammen mit unseren Fans dagegenhalten. So wird das nicht nur ein tolles Handballspiel, sondern wir können – hoffentlich – danach auch endlich den ersten Heimsieg zusammen feiern.

Fragen: Andreas Joas


   

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