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Drittbester Zweitliga-Schütze Gregor Thomann: „Es ist spannend, in Konstanz etwas zu bewegen“

Die HSG Konstanz berichtet:

24 Jahre alt, nur 1,78 Meter groß und 79 Kilogramm schwer, aber auch in der 2. Handball-Bundesliga kaum zu bremsen

Foto: Peter Pisa
Nach 198 Saisontoren in der letzten Drittliga-Spielzeit rangiert Rechtsaußen Gregor Thomann mit 27 Treffern nach nur vier Saisonspielen schon wieder auf Platz drei der Zweitliga-Torschützenliste. Mit seiner feinen Technik und 13 von 14 verwandelten Versuchen – die drittbeste Ausbeute – gehört der vom HBW Balingen-Weilstetten neu zur HSG gekommene Linkshänder darüber hinaus zu den besten Siebenmeterschützen der Liga. Der als Ergänzungsspieler schon über Erstliga-Erfahrung verfügende Lehramtsstudent mit den Fächern Sport und Geschichte ist im Besitz der Trainer-B-Lizenz und trainiert die C2-Jugend der HSG Konstanz.

Mit HSG-Pressesprecher Andreas Joas unterhielt sich der Torjäger über die erste hohe Niederlage in Liga zwei, das nächste schwere Auswärtsspiel am Sonntag in Ferndorf (16.30 Uhr) sowie seine Treffersicherheit auch in Liga zwei. Dazu spricht er über seine gute Technik, das Gefühl bei Heimspielen in der „Schänzle-Hölle“ und wie ihm seine Trainertätigkeit als Spieler hilft.

Gregor, nach einem überaus starken Saisonstart gegen große Favoriten war mit Emsdetten der erste Gegner deutlich überlegen. Wir hat das junge HSG-Team diese Erfahrung weggesteckt?

Als Aufsteiger muss man mit so einem Erlebnis früher oder später einfach rechnen. Wir stellen deshalb nicht alles in Frage, denn wir haben in drei von vier Spielen nicht nur gut mitgehalten, sondern auch über weite Strecken richtig überzeugt. Wir haben über diese Niederlage nicht lange nachgedacht, haben konzentriert weitergearbeitet und werden nun in Ferndorf wieder unser Bestes geben. Aus jedem Spiel und jeder Niederlage lernt man – aber im Gegensatz zu den letzten Partien haben wir in Emsdetten nicht bereits im Spiel selbst dazugelernt und uns erfolgreich auf die 3:2:1-Deckung einstellen können.

Ist das Spiel bei einem punktgleichen, vermeintlichen direkten Konkurrenten um den Klassenerhalt am Sonntag in Ferndorf bereits ein besonders wichtiges?

Am erst fünften Spieltag sollte man das alles nicht allzu sehr dramatisieren. Zweifellos geht es erneut um wichtige Punkte, aber auswärts sind wir in dieser Saison nirgendwo in der Favoritenrolle. Allerdings können wir mit großem Einsatz auch wieder überraschen – wie in Hüttenberg.

Was macht Dich zuversichtlich, dass der nächste Coup schon in Ferndorf gelingt?

Die Qualität, auch enge Spiele für uns entscheiden zu können. Das ist uns in Hüttenberg gelungen und war auch letzte Spielzeit ein Trumpf der HSG Konstanz. Dazu haben wir sehr gut im Training gearbeitet und die Stimmung im Team ist hervorragend.

Hat Dich die Ausgeglichenheit des Bundesliga-Unterhauses mit faustdicken Überraschungen an jedem Spieltag überrascht?

Schon etwas. Diese verrückten Ergebnisse machen es uns nicht gerade leichter und man wird für den Klassenerhalt sicher einige Punkte benötigen. Allgemein ist das Niveau in der zweiten Liga sehr hoch, ebenso die Intensität. Wenn man hier nicht an jedem Spieltag sein Top-Niveau abrufen kann, hat man keine Chance.

War das Auftaktprogramm mit den Top-Teams Lübbecke und Bietigheim in den ersten beiden Heimspielen insofern eher unglücklich, obwohl Ihr Euch gegen die beiden Aufstiegsfavoriten mehr als gut geschlagen und nur hauchdünn verloren habt?

Wahrscheinlich ist es dankbarer, gegen Mittelfeld-Teams starten zu dürfen, denn wir können uns für die guten Spiele ohne Zählbares nichts kaufen. Aber dann holen wir uns die Punkte eben woanders. Vielleicht haben wir dann noch mehr Zuschauer im Rücken und mit dieser geilen Stimmung wollen und können wir die nötigen Punkte vor allem in eigener Halle holen.

27 Treffer nach vier Spielen, die drittbeste Bilanz in Liga zwei. Du bist schon nach kürzester Zeit im neuen Team und der neuen Liga angekommen…

Ich fühle mich einfach pudelwohl in der Mannschaft, der Stadt und meiner neuen Wohnung. Ein paar Spieler kannte ich schon und der tolle Eindruck, der mir von diesen vor meinem Wechsel vermittelt wurde, hat sich nun bestätigt. Ich genieße das Vertrauen des Trainers, wir spielen schnell nach vorne, was mir entgegenkommt, und es lief in den letzten Spielen ganz gut. All das freut mich umso mehr, nachdem ich mich über das erste Spiel sehr geärgert habe und einen richtigen Hals hatte.

Du bist, das hast Du eingestanden, in den ersten Wochen eher noch wie ein Tourist durch Konstanz gestolpert. Findest Du Dich mittlerweile zurecht?

(lacht) Ich weiß wo der See ist und habe das Wasser schon mit Freunden genossen, die Halle und unser Fitnessstudio finde ich ohne Probleme. Als jemand, der gerne trainiert und im Kraftraum an sich arbeitet, ist das schon einiges. Den Rest entdecke ich nach und nach, wenn sich die Zeit dazu findet.

Nicht nur bei Deinen Siebenmetervarianten wird es deutlich, zuletzt war Deine gute Technik auch im Tischtennis zu sehen. Sucht man sein Heil als kleiner, leichter Spieler immer schon in der Technik und im Geschick?

Als Außen kommt es immer auf gute, möglichst viele Varianten an. Ich habe früher schon viel versucht, denn irgendetwas neben der Schnelligkeit brauchst Du ja, um ein paar fehlende Zentimeter und Kilos auszugleichen. Das hilft mir jetzt. Wichtig ist aber, dass nun nicht nur Tore, sondern vor allem weitere Punkte folgen.

Du hattest keinerlei Anpassungsschwierigkeiten in der sogenannten stärksten zweiten Liga der Welt. Woher kommt das? Sind es die Erfahrungen aus der ersten Bundesliga? Oder Dein großes Pensum an Individualtraining vor dem eigentlichen Vorbereitungsstart?

In der ersten Liga war ich Ergänzungsspieler. Was mir sehr hilft ist, dass ich viel an mir arbeite und mich auch im Kopf auf jede Aufgabe fokussiere, der Tagesablauf auf den Sport ausgerichtet ist und ich in der Halle unglaublichen Spaß habe. Der Erfolg kommt aber immer nur mit harter Arbeit, dafür stelle ich andere Dinge hinten an.

Hat es Dich da geärgert, dass Dein Körpergewicht von nun 79 Kilogramm nach vielem zusätzlichem Krafttraining, mit dem Du Dir vier Kilo Muskelmasse zugelegt hast, von einigen ehemaligen Mannschaftskameraden bezweifelt wurde?

(lacht) Das lässt mich komplett kalt. Das ist nur purer Neid. Aber im Ernst: diese harte Arbeit gehört einfach dazu – genauso wie diese Späße. Nächstes Mal müssen die Kollegen wieder einen von mir einstecken.

Das Saisonziel lässt sich für Dich wahrscheinlich leicht beschreiben. Klassenerhalt mit der HSG und möglichst viele Tore werfen. Was spricht für die Realisierung und wie kann man diese Ziele erreichen?

Die ersten Spiele haben gezeigt, dass wir eine realistische Chance auf den Klassenerhalt haben. Wir wissen aber auch, dass wir keine Profis im Kader haben und jünger und unerfahrener als fast alle Teams der zweiten Liga sind. Wir müssen daher vor allem in den Heimspielen punkten und dürfen dort nicht allzu viel liegen lassen und, auch wenn es sich nach einer Floskel anhört, hart trainieren. Wir haben das Potenzial, das haben wir angedeutet. Wenn wir es dann schaffen, ist das ein Riesenerfolg. Persönlich möchte man sich natürlich immer körperlich und sportlich weiterentwickeln, auch gut verteidigen, denn mit unserer guten Abwehrarbeit, die wir weiter steigern wollen, werden die Punkte schon kommen. Nur das zählt.

Du hast als B-Lizenzinhaber in Balingen die C-Jugend trainiert, warst für den Württembergischen Handballverband als Übungsleiter unterwegs und wirst in Konstanz die C2 der HSG anleiten. Hilft das Wissen aus dem Sportstudium und der Trainertätigkeit auch als Spieler?

Es macht mir zunächst einfach einen riesigen Spaß mit den Jungs zu arbeiten. Wir haben einige gute dabei, das könnte schon was werden. Allgemein möchte die HSG ihren Jugendbereich weiter professionalisieren, die Umfänge erhöhen und die sportliche Konzeption weiter optimieren und ausbauen. Es ist spannend, hier etwas zu bewegen. Als Spieler hilft es, taktische Dinge, die der Trainer verlangt, besser zu verstehen und umzusetzen. Außerdem kann man spieltaktische Dinge und Wurfvarianten selbst besser umsetzen. Sich weiterzubilden ist wichtig, macht Spaß und ich finde es wichtig, dass man sich engagiert und etwas zurückgibt.

Erst am 1. Oktober ist es wieder soweit: Heimspiel in der „Schänzle-Hölle“ gegen Europapokalsieger HSG Nordhorn-Lingen. Wie haben sich die ersten Heimspiele vor dem enthusiastischen Konstanzer Publikum angefühlt?

Mega geil. Die Stimmung war richtig gut, die Fans von Anfang an richtig mit dabei, auch bei einem Rückstand. Eine tolle Kulisse, gerade für einen Aufsteiger, das zeigt die aktuelle Zuschauertabelle mit Rang zehn, als bester Neuling – und das trotz des guten Wetters und der hohen Temperaturen. Das stimmt mich positiv, dass wir hier unsere Punkte holen werden. Schade, dass wir unsere Fans noch nicht mit einem Erfolgserlebnis dafür belohnen konnten. Wir werden alles dafür tun, dass wir nach den nächsten Spielen zusammen feiern können.


   

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