Handball-Zeitung

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HBZ-Jugendförderung-Interview mit Holger Steitz

Michael Kleinmann im Handball-Zeitung.de-Interview mit Holger Steitz, dem 1.Vorsitzender der neuen HSG Lumdatal im Bezirk Gießen; die Spielgemeinschaft vor der HSG Lumdatal war die SG Nordeck-Winnen/Allendorf/Londorf/ Bezirk Gießen

„Handball spielt bei mir und meiner Familie – meine Frau ist Jugendwart in der HSG – schon eine recht große Rolle 🙂 “

Michael Kleinmann (MK): Hallo Herr Steitz, vielen Dank für das Interview. Es gibt eine positive Entwicklung im Gießener Norden im Handball und davon möchte ich Sie bitten, für unsere Leser zu berichten. Bitte stellen Sie sich kurz vor, welche Aufgaben betreuen Sie in der neuen HSG Lumdatal/Bezirk Gießen und welchen Bezug haben Sie zum Handballsport?

Holger Steitz (HS): Wir haben mir unserer „alten“ SG Nordeck-Winnen-Allendorf-Londorf schon seit 5 Jahren im Jugendbereich mit dem TV Mainzlar kooperiert. Im Jahr 2013 stellte sich die Frage, wie geht es weiter mit dem Handballsport im Lumdatal. Die ersten Spieler, die in der Jugend als JSG zusammen gespielt haben, kamen in den aktiven Bereich, wodurch sie sich hätten entscheiden müssen, wo sie in Zukunft spielen. Mit allen Nachteilen, wie Spielerabwanderung und Potentialverlust, die das mit sich bringt.
Zusätzlich dazu kam die Entscheidung des Hessischen Handballverbandes, der ab der Saison 14-15 nur noch maximal vier Mannschaften im Jugendbereich als JSG zulassen wollte. Dadurch hätten wir im Jugendbereich wieder Lücken gehabt, weil wir Mannschaften nicht hätten stellen können, was auch wieder zur Folge gehabt hätte, dass wir keine vernünftige und durchgängige Jugendarbeit hätten leisten können.
Es stellte sich also die Frage, was tun wir, um den Handballsport im Lumdatal langfristig zu fördern und zu entwickeln.

Die erst Option wäre die Bildung einer JSG gewesen, bei Beibehaltung der Trennung im aktiven Bereich. Dabei hätten wir insgesamt 18 Schiedsrichter stellen müssen, was aus damaliger Sicht undenkbar war. Außerdem war für mich und auch für andere sehr schnell klar, dass es nur eine aufgeschobene Entscheidung gewesen wäre.
Wir haben daher sehr schnell die „große Lösung“ also die Bildung der HSG Lumdatal favorisiert. Dazu mussten wir die Vorstände der Stammvereine überzeugen, Konzepte erarbeiten und Budgets aufstellen, um die Realisierbarkeit sicherzustellen.

Am 01.07.2014 wurde dann die HSG Lumdatal als eingetragener Verein gegründet.
Ich selbst wurde zum 1. Vorsitzenden der HSG gewählt, was ich als große Ehre aber auch als Verpflichtung sehe. Ich gehörte schon zum Gründungsvorstand der alten SG NWAL, habe mehr als 30 Jahre selbst aktiv Handball gespielt, Jugendmannschaften trainiert und war 10 Jahre lang auch als Schiedsrichter tätig.

Handball spielt bei mir und meiner Familie – meine Frau ist Jugendwart in der HSG – schon eine recht große Rolle;-)

MK: Die neue HSG Lumdatal beendet jetzt bald die erste Saison 2014/2015, welches Fazit ziehen Sie nach dem ersten Jahr im Spielbetrieb und mit wie vielen Mannschaft haben Sie die Runde gespielt?

HS: Wir sind mit 20 Mannschaften in die Saison gestartet. Dazu kommen noch zwei Mini-Gruppen, eine in Allendorf und eine in Mainzlar.
Sportlich sind wir mit der Entwicklung sehr zufrieden. Die Frauen spielen in der Landesliga um den Aufstieg mit und die neu zusammengestellte Männermannschaft ist im vorderen Mittelfeld platziert.
Im Jugendbereich haben wir durchgängig gute Platzierungen erreicht, die weibliche E-Jugend ist Meister und die B2 steht kurz vor der Meisterschaft.
Besonders positiv ist für mich, dass die Bedenken, dass es menschlich nicht funktionieren könnte, sich als völlig unbegründet herausgestellt haben. Ganz im Gegenteil. Sowohl im Jugendbereich als auch bei den aktiven Mannschaften stimmt die Chemie. Die Mannschaften wurden bis auf wenige Ausnahmen durchmischt und sowohl auf dem Spielfeld als auch außerhalb, gibt es derzeit keinerlei Ressentiments oder Konflikte, die etwas mit der Herkunft zu tun haben könnten.
Man trainiert und spielt zusammen und man findet sich auch jenseits des Sports zum Feiern und zur Freizeitgestaltung zusammen.

MK: Es gibt 4 Stammvereine der HSG Lumdatal, die teilweise auch lange Traditionen vorweisen können. Wie war die Entstehung der HSG von den 4 Vereinen TSV Allendorf, TSV Londorf, TV Mainzlar, TSV Nordeck-Winnen?

HS: Nun, es gab ja schon seit 1991 die SG Nordeck-Winnen-Allendorf-Londorf, die als Abteilung der Stammvereine des TSV Nordeck-Winnen, des TSV Allendorf und des TSV Londorf den Handballsport repräsentierte. Wie eine SG funktioniert war hier also schon geübte Praxis.
Der TV Mainzlar nahm noch als eigenständiger Verein am Spielbetrieb teil.
Formal wurde zunächst der Beitritt des TV Mainzlar zur bestehenden SG angegangen und aus haftungsrechtlichen Gründen im Laufe des Prozesses die Gründung eines neuen Vereins als HSG Lumdatal e. V. beschlossen.

MK: Was ist das Geheimnis, dass bei so vielen Vereinen und Vereinsverantwortlichen die „Vereinsbrillen“ abgesetzt wurde und dieses besondere Vereinskonstrukt für die Zukunft entstehen konnte?

HS: Ich glaube, dass es den Verantwortlichen gelungen ist, den Vereinsvorständen klar zu machen, dass im Sinne des Handballsports und besonders im Sinne der Jugend ein Zusammenschluss unumgänglich ist.
Wir haben ganz sachlich die Argumente für und wider dargelegt, woraus sich ganz eindeutig die Vorteile des Zusammenschlusses gezeigt haben.
Ein entscheidender Punkt war, dass wir gesagt haben, lasst es uns tun solange wir das noch aus einer starken Position tun können und Gestaltungsspielraum haben. Wenn wir in ein paar Jahren beide schon mit dem Rücken zur Wand stehen, kann es nur schlechter werden.
Alle Beteiligten in verantwortlichen Positionen waren sehr vernünftig und keiner hat die „Vereinsbrille“ aufgesetzt. Die Jugend und der Handballsport haben stets im Vordergrund gestanden.
Durch die positive Außendarstellung und das Vertrauen der Stammvereine, ist es uns übrigens auch gelungen, bei den heimischen Gewerbetreibenden viele Unterstützer dazuzugewinnen. Unser Sponsorenkreis ist weiter gewachsen und der Zuspruch scheint auch nicht abzureißen.
Dafür möchte ich mich an dieser Stelle natürlich auch ganz herzlich bedanken.

MK: Vor der Entstehung zur HSG Lumdatal gab es ja schon eine Spielgemeinschaft die SG Nordeck-Winnen/Allendorf/Londorf. Wann und wie war da die Entstehung und kann ich sagen, dass diese Vereinskooperation der Grundstein für die HSG Lumdatal war?

HS: Über die SG NWAL habe ich ja schon berichtet. Ja, ich glaube, dass das der Grundstein war. Wir waren schon geübt und konnten viele organisatorischen Dinge übernehmen.

MK: Seit vielen Jahren wird auf dem Nordecker Sportplatz ein Rasenturnier veranstaltet, was weit über die Grenzen von Gießen bekannt ist. Erinnern Sie sich noch an die Entstehung vom Turnier und wie schaffen Sie es dieses große Turnier jedes Jahr erfolgreich auf die Beine zu stellen, wo es ja aktuell seit einigen Jahren ein Sterben der Turniere gibt? Wie war das Teilnehmerfeld im letzten Jahr?

HS: Ja unser Turnier ist ein wichtiger Pfeiler in unserem Vereinsleben geworden. Zur genauen Entstehung kann ich nichts sagen. Als das erste Turnier durchgeführt wurde, war ich selbst noch Jugendspieler.
Die Organisation einer derartigen Großveranstaltung erfordert natürlich einen enormen Einsatz von vielen ehrenamtlichen Helfern. Ohne diese wäre das Turnier in dieser Form nicht durchzuführen. Die Vorbereitung und der Ablauf sind natürlich auch weitgehend erprobt und viele wissen schon, was sie zu tun haben. Nichtsdestotrotz ist es jedes Jahr wieder ein Kraftakt, ein Turnier mit rund 100 Mannschaften an zwei Tagen durchzuziehen.
Auch wir hatten eine kleine Delle was die Teilnehmerzahl angeht. Seit zwei Jahren sind wir aber wieder auf dem Niveau von ca. 100 Mannschaften, was auchs schon fast die Obergrenze des Möglichen darstellt.
Warum wir einen guten Zuspruch haben, kann ich nicht genau sagen. Da muss ich spekulieren. Ich denke, dass es sich herumgesprochen hat, dass wir in Nordeck ein gut organisiertes Turnier, auf einem landschaftlich herrlich gelegenen Sportplatz austragen, bei dem man mit Spaß Handball spielen kann und auch außerhalb viel Gaudi machen kann.
Im letzten Jahr hatten wir wieder die rund 100 Mannschaften, bei bestem Wetter in Nordeck zusammen.

MK: Die Grundstruktur im Lumdatal ist eher ländlich geprägt und ja auch ca. 30 KM weg von Gießen. Wie schaffen Sie es so viele junge Menschen für den Handballsport zu begeistern?

HS: Wir sind etwa 20 Kilometer von Gießen entfernt, also doch nicht ganz so weit ab vom Schuss 😛 .


Unser Bestreben ist es schon immer, den Kindern und Jugendlichen zu zeigen, dass man bei uns im Kreis von vielen gleichgesinnten einen tollen Sport ausüben kann. Dabei betonen wir immer, dass uns an der sportlichen und persönlichen Entwicklung der Kinder und Jugendlichen gelegen ist. Nicht nur „Beschäftigung“ sondern qualitativ hochwertige Jugendarbeit ist unser Anspruch. Das ist nicht immer leicht, weil die Rahmenbedingungen stimmen müssen aber wir tun unser Bestes.
Wichtig ist natürlich auch, dass wir als „Zugpferde“ unsere ersten Frauen- und Männermannschaften haben. Die Stimmung in der Halle ist einfach toll und wir versuchen die Kinder frühzeitig in die Halle zu holen, damit sie auch von dem tollen Gefühl in einer Turnhalle bei einem Heimspiel, mit Trommeln und Hallensprecher infiziert werden.
Mannschaftssport an sich ist einfach etwas, was jedem Kind und Jugendlichen zur Persönlichkeitsentwicklung viele positive Impulse geben kann. Das versuchen wir immer wieder zu vermitteln.

MK: Gibt es etwas Besonderes, was Sie als Abschluss noch erwähnen möchten?

HS: Wenn ich schon die Gelegenheit habe, dann möchte ich an dieser Stelle dazu aufrufen, die Spiele unserer Jugend- und Aktiven-Mannschaften zu besuchen oder am 13. und 14. Juni auf dem Sportplatz in Nordeck unser wunderbares Turnier zu unterstützen.


   

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Der erste Kommentar ist online:

  • Kar. Fr. Zecher

    Als langjähriger TVo5 Mitglied mit sehr langer aktiver Tätigkeit im Vorstand finde ich die Stellungnahme des Herrn Steitz qualitativ sehr gut und richtungsweisend für den Handballsport im Lumdatal.
    Anregen möchte ich noch für alle Jugendmannschaften vor der jeweiligen Hallenrunde in den Lumdatalhallen ein Jugendhandballturnier zu organisieren.


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