Handball-Zeitung

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Die Woche der Rheinhessen – Interview mit Hans Teßnow der DJK Sportfreunde Budenheim

Michael Kleinmann im Handball-Zeitung-Interview mit Hans-Georg Teßnow

Michael Kleinmann (MK): Hallo Herr Teßnow, Sie sind der Abteilungsleiter Handball der Sportfreunde Budenheim. Bitte stellen Sie sich kurz vor und Ihren Werdegang/Bezug zum Handballsport und zum Verein.

Hans Teßow (HT): Hallo Hr. Kleinmann, ich spiele seit meinem achten Lebensjahr in Budenheim Handball und habe dabei alle Jugenden durchlaufen, mit Abschluss in der A-Jgd und dem Endspiel um die Südwestmeisterschaft. Anschließend habe ich über den Weg unserer „Zweiten“, den Sprung in die Erste Herren, damals noch in der Regionalliga geschafft und dort ca. 10 Jahre gespielt. Ein weiteres Highlight meiner Spieler-Karriere war das Projekt unsere Zweite Herren von der A-Klasse bis in die Oberliga RPS gebracht zu haben, damals noch unter Jürgen Haas und einem Haufen von ehem. Regional- und Oberligaspielern. Nach der Aktiven-Zeit, wurde ich vom damaligen Abteilungsleiter Fred Bühring „überredet“, dem Abteilungsvorstand beizutreten und so bin ich seit nunmehr 11 Jahren Abteilungsleiter der Sportfreunde Budenheim, aktiver Schiedsrichter in der Oberliga RPS und Co-Trainer der männlichen A-Jugend in der OL RPS.
Zu meiner Person, ich bin mittlerweile 46 Jahre alt, selbstständig als Maurermeister, verheiratet und habe 3 Kinder. Meine freie Zeit verbringe ich mit meiner Familie und meinen Hunden.

MK: Was ist das Besondere in Ihrem Verein und welche Zielsetzungen haben Sie?

HT: Ich denke, dass das Besondere an Budenheim, die familiäre Atmosphäre ist. Jeder kennt jeden, es gibt keine Berührungsängste unserer Jüngsten mit den Aktiven, Helfern oder Ehrenamtlichen, die Fans z. B. sitzen nach unseren Heimspielen immer mit den Spielern der Ersten Herren zum Essen zusammen. Auch Eltern unserer Jugendspieler haben immer einen Ansprechpartner oder wissen, wen Sie bei Fragen ansprechen müssen, unser Verein ist nicht anonym und lebt auch davon „eine große Familie“ zu sein.
Unser Ziel ist dieses Gefühl der Zugehörigkeit weiter zu fördern und den Verein entsprechend nach außen attraktiver zu machen, um für in Frage kommende Mitglieder das Gefühl „dabei sein“ noch mehr entwickeln zu wollen, bzw. uns interessanter zu machen.

MK: Wie sieht Ihre Jugendarbeit aus und welchen Stellenwert und Zielsetzung hat diese im Gesamtverein?

HT: Unsere Jugendarbeit ist unsere Basis, darauf bauen wir auf. Ohne diesen Unterbau wäre der Verein nicht das was er ist. Wir möchten nicht den Weg von Mainz05 gehen und uns nur eine oder zwei aktive Mannschaften leisten, dafür haben wir einen gesellschaftlichen Auftrag die Jugend einzubinden, außerdem fehlen uns dazu auch die finanziellen Mittel. Wir investieren lieber in renommierte Trainer, die uns im Jugendbereich weiterbringen bzw. die Spieler und Spielerinnen entsprechend ausbilden.
Aus unserer Jugend kommen die zukünftigen Spieler für unsere Aktiven und das ist das Ziel, welches wir weiter verfolgen. Erfolgreiche Jugendmannschaften, die in der höchstmöglichen Spielklasse spielen und somit auch die Voraussetzungen mitbringen, im Aktiven Bereich echte Stützen zu werden.
In der kommenden Saison 2015/16 haben wir, erstmalig im Verband ( und auch im Bereich der RPS ), beide A-Jugenden ( männlich und weiblich ) in der Bundesliga-Qualifikation gemeldet, dazu kommen jeweils auch im männlichen und weiblichen Bereich die B- und C-Jugenden in der Oberliga RPS und D-, E-Jugend in der Rheinhessenliga! Das bedeutet, sollte die JBLH-Qualifikationen geschafft werden, wären wir in allen möglichen höchsten Spielklassen vertreten.
Unser Ziel ist es dieses Niveau zu halten, was unwahrscheinlich schwer wird.

MK: Gibt es bei Ihnen ein eigenes Jugendkonzept? Nennen Sie uns bitte ein paar Punkte.

HT: Es wird immer nach Konzepten gefragt. Der DHB hat mit dem Trainingsrahmenkonzept eine Vorlage aufgestellt, die von den Vereinen aus unterschiedlichen Gründen nicht zu 100% umgesetzt werden kann. Dies sind zum einen die Trainer, Trainerausbildung und Trainingszeiten, zum anderen die Trainingsmittel, -geräte bzw. Sportstätten. Wir „lehnen“ uns daran an und versuchen, je nach Spielstärke der einzelnen Spielern, diese auch in älteren Jahrgängen ein zu setzen, Techniken zu fördern und uns auch den körperlichen Voraussetzung zu widmen, um der Gesamtheit der Ausbildung gerecht zu werden. Ich denke hier hat jeder Verein seine eigene Philosophie, die aber Schlussendlich bei allen Vereinen dann doch wieder ähnlich sein wird.
Konkret bedeutet das am Beispiel eines spielstarken B-Jugendlichen, das er einmal die Woche eine professionelle Anleitung zum Krafttraining ( in unserem eigenen Kraftraum ) bekommt, zweimal in seiner Altersstufe trainiert und zusätzlich einmal ( freiwillig auch mehr ) im nächsten höheren Jahrgang, hier die A-Jugend, mit trainiert. Dadurch hat der Spieler mindestens dreimal Training + Körperkräftigung und lernt dabei drei Trainertypen kennen.
Unser Konzept ist die Einbindung von gut ausgebildeten Trainer, Jahrgangsübergreifende Trainingsinhalte, körperliche Fitness nach Altersstufen und die persönliche Ausbildung ( Charakter )

MK: Sie erzählen, dass Sie großen Erfolg haben mit der, wie Sie es liebevoll nennen „Pämpassliga“. Was passiert da und was können Sie uns da berichten?

HT: Grundsätzlich bemühen wir uns sehr um den eigenen Nachwuchs! Die „Pämpassliga“ ist aus einen Kreis von Handballeltern, unter der Leitung von Volker Schuster, im Jahr 2013 mit damals 5 Kindern enstanden. Durch diese Aktivität und der guten Mundpropaganda hat sich die Pämpassliga entwickelt. Der aktuelle Stand sind knapp 40 Kinder. Das hat so eingeschlagen, dass wir die vielen Kinder schon in Gruppen einteilen müssen.

MK: Bitte beschreiben Sie uns kurz den Leitgedanken der Sportfreunde.

HT: Wir versuche Ideen praktisch umzusetzen und bauen diese aus, wenn Sie funktionieren. Unser „Konzept“, ich mag dieses Wort nicht, ist eher ein Leitgedanke; junge Menschen den Handballsport zu vermitteln und Ihnen gleichzeitig die Bestmögliche Ausbildung ( in unserem Rahmen ) zukommen zu lassen. Das beginnt bei der Pämpassliga und endet im Aktivenbereich mit der Höhe der Spielklasse und dem Doppelspielrecht von unseren Jugendspielern.
Wir möchten nicht, wie früher üblich, einen Handballlegionär aus Ex-Jugoslawien bezahlen, sondern unseren Erfolg mit Eigengewächsen halten und evtl. ausbauen ( Zukunft 3. Liga? ).

MK: Wie unterstützt Sie der HVR im Verein? Gibt es eine besondere Unterstützung der Jugendarbeit?

HT: Es gibt keine besondere Unterstützung seitens des Verbandes. Es werden Auswahlmaßnahmen durch den HVR unterstützt, die Vereine erhalten keine gesonderte Unterstützung. Im negativen bekommt das eine andere Dynamik, so werden z. B. Strafen in der E-Jugend von bis zu 150€ ausgesprochen.

(Sonderfrage für Bodenheim und Budenheim zur Teilnahme der neuen C-Jugend Oberliga)
MK: Die neue Oberliga der C-Jugend hat einen besonderen sportlichen Reiz für die Spieler und Mannschaften, aber auch eine besondere Herausforderung aufgrund der Entfernungen von teilweise 100KM und mehr. Wie haben Sie das im Verein organisiert? Gibt es da Unterstützung vom HVR?

HT: Wir fahren mit Kleinbussen bzw. Eltern stellen Ihre Privat-PKW zur Verfügung. Unterstützung seitens des Verbandes erhalten wir keine. Die Fahrten werden ausschließlich privat durchgeführt inkl. Verpflegung!

MK: Wie sieht die Planung und Zielsetzung der 1. Mannschaft aktuell und für die Zukunft aus?

HT: Unsere 1. Herren soll sich in der laufenden Runde konsolidieren und zum Abschluss unter die ersten fünf kommen, im nächsten Jahr ist das Ziel unter die ersten drei zu kommen, vorausgesetzt der Kader bleibt so zusammen. Der große Traum „3. Liga“ schwebt natürlich immer in den Köpfen herum, ist aber aus finanzieller Sicht nicht zu stemmen. Sollten wir in die Lage kommen, aufsteigen zu müssen, werden wir das Thema angehen, es ist aber kein unbedingtes Ziel! Dieses Ziel schließt wiederum die Jugend ein, da der Kader kostenmäßig nicht mit „Legionären“ in der 3. Liga zu halten wäre.

MK: Was macht für Sie der besondere Reiz der Derbys aus?

HT: Derbys sollten grundsätzlich immer Freitag gespielt werden, da dann alle die selber Handball spielen Zeit haben. Wir haben da in Budenheim gute Erfahrungen gemacht. Volle Halle, gute Stimmung, ein bisschen Aggressivität auf der Tribüne, alte Mitstreiter treffen und nach dem Spiel bei einem Bier „fachsimpeln“! Der Vergleich innerhalb des HVR ist schon etwas Reizvolles, auch wer am Ende der Runde der „Beste aus Rheinhessen“ ist.

MK: Was halten Sie von der Idee des Präsidenten Klaus Kuhn der „SG Rheinhessen“? Wie realistisch schätzen Sie die Umsetzung ein?

HT: Das Thema wurde ja bereits mehrfach angesprochen. Für die Teilnehmer der Oberliga kommt so etwas nicht in Frage, da jeder Verein seine Identität verlieren würde und auch das Vorhaben im Moment Rechtlich und Finanziell nicht machbar ist. Kein Verein beantragt eine Lizenz für die 3.Liga ohne finanzielle Planungssicherheit.

MK: Unter welchen Rahmenbedingungen könnten Sie sich vorstellen diese Idee zu unterstützen?

HT: Auch hierrüber hatten wir uns bei dem gemeinsamen Gespräch auf einen Start in der Jugend geeinigt. Es muss eine Mannschaft wachsen, die dann im Aktivenbereich gemeldet werden kann oder außer Konkurrenz spielt. Fast alle Bundesligavereine haben dieses Modell schon im Gebrauch und fahren damit sehr gut. Natürlich ist dies, wie z. B. bei der TV Junioren Akademie mit einem Internat alles optimal umsetzbar. Das alles sind Punkte die Vereine in Rheinhessen alleine nicht stemmen können. Da wäre der Verband gefragt, auf die Politik zu gehen, um entsprechende Kooperationen mit Schulen usw. einzugehen, auch die finanziellen Mittel müssten über einen Hauptsponsor langfristig gesichert werden.

MK: Alle erfolgreichen Profimannschaften haben als Unterbau eine erfolgreiche bis sehr gute Jugendarbeit. Wie könnte das in die Planungen der SG Rheinhessen integriert werden?

HT: s. o.


   

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