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HSG Konstanz setzt auf Linkshänder-Toptalent Braun – Klingler geht nach Essen

Die HSG Konstanz informiert:

Manchmal gehören sie unumgänglich dazu, die ganz schweren Entscheidungen.

Foto: Peter Pisa
Eine solche mussten sowohl die HSG Konstanz als auch Felix Klingler für die kommende Saison treffen, denn die bisherige Zusammenarbeit verlief durchaus fruchtbar. Neben Fabian Maier-Hasselmann (27), der seinen Vertrag Anfang des Jahres um ein weiteres Jahr verlängert hat, verfügt die HSG mit Joschua Braun und Klingler über zwei weitere Linkshänder für die Rechtsaußenposition. Während Toptalent Braun noch bis mindestens 2020 unter Vertrag steht, läuft jener von Klingler am Saisonende aus. „Im Leistungssport gehören harte Entscheidungen leider dazu“, erklärt Andre Melchert. Einfacher wurde sie, weil sie von beiden Seiten gleich getroffen wurde. „Bei uns ist sie für Joschi und nicht gegen Felix gefallen, weil wir wissen, was wir an ihm haben“, sagt der Sportliche Leiter der HSG Konstanz. Klingler hat sich zwischenzeitlich für ein Angebot aus Essen entschieden. „Wir schätzen beide sehr. Joschi hat allerdings auch berechtigte Ansprüche“, so Melchert.
Soll heißen: Der zum Saisonende auslaufende Kontrakt mit dem erfahrenen 24-jährigen Zweitligaspieler Felix Klingler, der vor einem Jahr vom TV Neuhausen/Erms gekommen war, wird in beiderseitigem Einvernehmen nicht verlängert. Konstanz möchte auf das erst 19 Jahre alte Toptalent Joschua Braun setzen und dafür einen Platz im Kader bereitstellen, während sich Klingler für ein Vertragsangebot des TuSEM Essen entschieden hat. „Unser Weg ist es, auf junge Spieler zu setzen“, führt Melchert an. „Wir wollten Joschi unbedingt die Chance geben, da wir sonst ihn über kurz oder lange verloren hätten. Das wäre fatal.“ Joschua Braun, der im vergangenen Sommer mit der Empfehlung von 150 Treffern als A-Jugend-Bundesliga-Torschützenkönig von Frisch Auf Göppingen an den Bodensee kam, konnte in der aktuellen Saison vor allem Erfahrungen in der U23 sammeln, die gute Chancen auf den Aufstieg in die Oberliga hat. Großen Anteil daran hat der aus Laupheim stammende Rohdiamant.

Melchert: „Er ist ein Riesentalent, den wir behutsam an die erste Mannschaft heranführen wollten. Er ist das erste Mal von zu Hause weg, musste den Übergang zu den Aktiven meistern – aber er hat sich stetig entwickelt.“ Neben zwei Spielen im Jahr 2018 für die Zweitligamannschaft netzte er trotz einer Bänderverletzung und mehreren Wochen Pause 92 Mal für die U23 und ist damit zweitbester Schütze des Teams. Im ständigen Training mit den Zweitligaakteuren überzeugt der pfeilschnelle Blondschopf vor allem in der zweiten Saisonhälfte mit konstant guten Leistungen. „Er ist ein extrem spielstarker Spieler“, lobt ihn der Sportchef, der seiner großen Nachwuchshoffnung zudem „eine sehr gute Beinarbeit in der Deckung“ attestiert. Nicht zuletzt erhoffen sich die Konstanzer Verantwortlichen von der Beförderung Brauns neue Varianten und eine noch größere Variabilität. „Joschi deckt auch auf der Halbposition sehr, sehr gut“, fügt Melchert hinzu. „Außerdem kann er eine Alternative für den rechten Rückraum sein. Er hat gezeigt, dass er jetzt für die 2. Bundesliga bereit ist.“

1,90 Meter groß ist der junge Mann, der in Göppingen schon seine ersten Erstligaeinsätze und -tore auf und von Rechtsaußen feiern durfte. Highlight des Senkrechtstarters waren schließlich die Einsätze im Final Four des EHF-Pokals in Göppingen mit dem Titelgewinn vor eigenem Publikum. Der Sonnyboy, der an der mit der HSG kooperierenden Exzellenzuniversität Konstanz Mathematik studiert, ist dankbar für das große Vertrauen des Vereins und sagt: „Klar will man immer sofort alles. Allerdings hat mir das Jahr in der U23 mit vielen Spielanteilen sehr gut getan und geholfen, Fuß zu fassen. Es macht Spaß mit den Jungs – aber ich freue mich auch schon riesig auf die neue Aufgabe und Herausforderung in der Bundesligamannschaft, die fanatischen Fans und die bedingungslose Unterstützung in der Schänzlehölle.“

Cheftrainer Daniel Eblen ist nach sehr guten Trainingsleistungen überzeugt davon, dass Joschua Braun auch in der 2. Bundesliga eine Verstärkung ist. „Er ist ein sehr cleveres Kerlchen“, meint der A-Lizenzinhaber, „das handballerisch schon sehr weit ist. Für ihn ist es nach einer großen Steigerung in den letzten Monaten wichtig, dass er jetzt einen festen Platz im Kader hat. Er soll über Rechtaußen ins Team wachsen, kann aber auch eine Variante für Halbrechts werden.“ „Toll entwickelt“ habe sich sein junger Schützling, der auch charakterlich „perfekt ins Team passt“, so Eblen weiter. Braun fühlt sich pudelwohl bei der HSG und sieht selbst nach der EM-Spielpause große Entwicklungsschritte bei sich: „Am Anfang war es schon schwer, aber gerade im neuen Jahr tue ich mich viel leichter und es klappt immer besser. Ich freue mich sehr über das Vertrauen in mich.“

Der junge Linkshänder ist zudem dankbar für die vielen Tipps seiner erfahreneren Mitspieler, die dieser bemerkenswert schnell umzusetzen weiß. „Ich kann noch viel in und dank unserer super Gemeinschaft lernen. Wenn die Sachen dann zudem schnell funktionieren ist das schon sehr cool“, lacht er verschmitzt, der zuvor jedoch noch ein anderes Ziel verfolgt: Meisterschaft und Oberliga-Aufstieg mit der U23. „Erste Sahne wäre das“, strahlt er erneut.

Abschied von Felix Klingler zum Saisonende

Für Felix Klingler ist damit nach der einvernehmlich getroffenen Entscheidung, die Zusammenarbeit nicht zu verlängern, ein Ende der Zeit am Bodensee absehbar. Mit 76 Saisontoren absolviert der pfeilschnelle Rechtsaußen eine gute Saison. „Die Leistungen von Felix sind nicht der Grund für die Neuausrichtung auf Außen“, sagt Andre Melchert. Entscheidend seien nur die Dreifachbesetzung auf dieser Position und die beabsichtigte Förderung und Beförderung von Joschua Braun. Eine nicht einfache Situation für beide Seiten, doch in jeder Veränderung liegt auch eine Chance. Die hat sich mit der Entscheidung auch für den 24-Jährigen eröffnet, der zur neuen Saison zum TuSEM Essen ins Ruhrgebiet wechseln wird. „Es ist ein schönes Jahr in Konstanz“, genießt der aus Bad Urach stammende Schwabe seine Zeit bei der HSG, denn, so Klingler weiter, „die HSG ist ein besonderer Verein, der besonders geführt ist. Und die Stimmung in der Halle ist einmalig, darüber müssen wir nicht reden. Da steht jeder Einzelne hinter dem Team.“ Mit einem Blick auf den mal kobaltblauen mal smaragdgrünen Bodensee fügt er hinzu: „Dazu kommt noch dieses Panorama direkt vor der Halle.“ Highlights wie den Superball habe er noch nicht erlebt, erzählt er. „Das war einmalig, man hat die ganze Woche gespürt, dass das etwas Besonderes ist.“

Verabschieden möchte sich der 1,75-Meter-Mann im Juni mit dem Klassenerhalt. „Das hat sich der Verein verdient“, meint der Dienstleistungsmanagement-Student, der das Miteinander in Konstanz schätzt. Sehr familiär und nahe sei der Umgang. Klingler: „Das ist heutzutage, zumal auf diesem Niveau, etwas sehr Besonderes. Dazu hat sich die HSG alles selbst erarbeitet, ohne einen Mäzen oder großen Sponsor, der plötzlich viel Geld investiert hat. Das zeigt die gute Arbeit, mit der hier nach und nach alles gesund aufgebaut wurde.“ Wenn sich am Saisonende alle in den Armen liegen und den Klassenerhalt feiern, Felix Klingler und die HSG könnten auf ein tolles gemeinsames Jahr zurückblicken, das beide Seiten nicht missen möchten. Viel zu groß ist die gegenseitige Wertschätzung. Nur zu gerne würde man Felix Klingler auch in der kommenden Saison am Schänzle auflaufen sehen, auch wenn es nur bei einem Spiel sein wird.


   

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