Handball-Zeitung

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Deutsche Jugendkraft Sport Club Schwarz-Weiß Wiesbaden e.V. – Chronik der Handballabteilung 1967-1995

Quelle: Aus der Vereinschronik 40 Jahre Schwarz-Weiß Wiesbaden 1956-1996

Chronik der Handball – Abteilung 1967-1995

Der steile Aufstieg ab 1967, mit einem Jahr 1. Bundesliga 1992/93 und der Niedergang, mit der Auflösung der Abteilung 1995.

Die Gründung der Handballabteilung erfolgte im November 1967. Die ersten aktiven Spielerinnen waren 8 Mädchen, allesamt Sportplatzbesucherinnen bzw. Fußballbräute der aktiven Fußballer, denen das Zuschauen bei ihren besseren Hälften nicht ausreichte, und die selbst aktiv Sport treiben wollten. Federführend oder treibende Kraft in diesen Anfangsjahren war Gerda Hennemann, die auch bis Ende 1980 als Abteilungsleiterin fungierte. Ohne sie wäre die Gründung und der Aufschwung der Handball – Abteilung nicht möglich gewesen. In diesen Jahren wurde durch die hervorragende Arbeit und die Talentförderung in den Schulen der Grundstein für den erfolgreichen Aufstieg bis zur 1. Handball – Bundesliga gelegt. Die neue Abteilung arbeitete so gründlich und professionell, dass schon nach kurzer Zeit die ersten Erfolge zu verzeichnen waren.

Im Jahre 1969 wurde mit dem Spielbetrieb begonnen. Zuerst gab es nur eine Mannschaft, doch schon in der Spielzeit 1969/70 konnte man eine zweite spielfähige Mannschaft vorweisen. Während die 1. Mannschaft in der Bezirksklasse spielte, bemühte sich Gerda Hennemann um den „Nachwuchs“ in der 2. Mannschaft. Im Jahre 1970 übernahm Horst Hacker das Traineramt bei der 1. Mannschaft. Nachdem man schon in der Halle in der Bezirksklasse spielte, wurde nun auch auf dem Feld der Aufstieg in die Bezirksklasse erreicht. Zur damaligen Zeit spielte man noch zweigleisig: sowohl in der Halle als auch auf dem Feld. Zur gleichen Zeit begann Gerda Hennemann auch mit dem Aufbau eines Schülertrainings. Schon im folgenden Jahr bestritten die Jugendlichen die ersten Freundschaftsspiele. Nachdem die 1. Mannschaft in der Saison 1971/72 aus der Bezirksklasse abgestiegen war, übernahm Gerda Hennemann das Training aller Mannschaften. In den folgenden Jahren schaffte man sowohl in der Halle als auch auf dem Feld den Aufstieg in die Verbandsliga. Die Jugendarbeit wurde weiter forciert und 1972 nahmen sowohl eine weibliche Jugend- als auch eine Schülermannschaft am Spielbetrieb teil. Gleichzeitig fand auch das erste Training für die Herren statt. Unter der Leitung von Peter Pansky wurde im Jahr 1973 auch der Spielbetrieb aufgenommen.
Die gute, kontinuierliche Arbeit in der Handballabteilung trug bald erste Früchte. 1976 wurde die 1. Mannschaft Bezirkspokalsieger und im Jugendbereich, nun schon mit drei Jugendmannschaften aktiv, wurde die 1. Jugendmannschaft Bezirksmeister. Diesen Erfolgen der weiblichen Handballspieler schlossen sich die Herren an. Während die 1. Herrenmannschaft in die B – Klasse aufstieg, spielte mittlerweile auch eine 2. Herrenmannschaft in der E – Klasse. Nachdem sich die Jugendmannschaften auf Bezirksebene immer besser in Szene setzen konnten, schaffte die 2. Damenmannschaft 1978 den Aufstieg in die Bezirksklasse.
Der nächste sportliche Höhepunkt folgte 1982 mit dem Gewinn der Hessenmeisterschaft und dem Aufstieg in die Regionalliga unter der Leitung von Horst Hacker. Ein sportlicher Traum ging für die Schwarz – Weiß – Damen am 2. April dieses Jahres in Erfüllung, durften sie ein Freundschaftsspiel gegen die zu diesem Zeitpunkt beste Mannschaft der Welt, die Nationalmannschaft der UdSSR, bestreiten. In der zweiten Saison der Regionalliga Südwest (1983/84) – unter dem neuen Abteilungsleiter Otto Wittmer – wurde der 2. Platz erreicht. Vor dem dritten Jahr in der Regionalliga übernahm Heinz – Peter Brehm (von ihm wird später noch mehr zu hören sein) das Training der 1. Damenmannschaft. In der Regionalliga wurde erneut der 2. Platz erreicht und bei den deutschen DJK – Meisterschaften wurde man immerhin Vizemeister. Die erfolgreiche Arbeit des neuen Trainers sowie des emsigen Abteilungsleiters Otto Wittmer, der auch zunehmend Manageraufgaben zu bewältigen hatte, wurde in der Saison 1985/86 fortgesetzt. Die 1. Damenmannschaft errang den 1. Platz in der Regionalliga Südwest. In zwei Entscheidungsspielen setzte sich das Team, unter hervorragender Unterstützung zahlreicher Fans, gegen Südwest Ludwigshafen durch. Die errungene Südwestdeutsche Meisterschaft bedeutete gleichzeitig den Aufstieg in die 2. Bundesliga!
Das Jahr 1986 brachte den bis dahin größten Erfolg der Vereinsgeschichte, bedeutete aber auch gleichzeitig einen schmerzlichen Verlust. Die langjährige Abteilungsleiterin, Trainerin und Gründerin der Handballabteilung, Gerda Hennemann, verstarb. Wie schmerzlich der Verlust und wie wichtig ihre Arbeit für den Verein war, sollte sich in den nächsten Jahren ganz deutlich herausstellen. Während die 1. Damenmannschaft einen gelungenen Einstand in der 2. Bundesliga feierte, musste die 2. Damenmannschaft nach nur einem Jahr wieder aus der Oberliga absteigen. Das gleiche Schicksal traf die 3. Mannschaft in der Bezirksliga. Im selben Jahr musste die Herrenmannschaft wegen Spielermangel aufgelöst werden.

Die Erfolge der 1. Mannschaft in der 2. Bundesliga wirkten sich auch positiv auf die persönlichen Erfolge der Handballerinnen aus. Im Jahr 1987 wurde Melanie Günther in die A – Jugendnationalmannschaft berufen, Claudia Bauer absolvierte 2 Juniorinnen – Länderspiele und Heike Goslar wurde sogar in die deutsche Nationalmannschaft berufen! Im zweiten Jahr des Abenteuers 2. Bundesliga erreichte das Team von Heinz – Peter Brehm einen ausgezeichneten 3. Platz. Gleichzeitig trumpfte die Mannschaft im DHB – Pokal groß auf und scheiterte erst im Viertelfinale am VfL Engelskirchen.
In den folgenden Jahren spielte die Mannschaft in der 2. Bundesliga weiterhin eine gute Rolle. Unter dem neuen Trainer Manfred Meudt wurde die 1. Damenmannschaft 1989 beim Bundessportfest der DJK in Dortmund Deutscher DJK – Meister. In der Saison 1989/90 übernahm Hans – Joachim Röhrig das Training der 1. Damenmannschaft. Im darauf folgenden Jahr, 1990/91 führte Milorad Reljic die Damenmannschaft fast in die 1. Bundesliga. 1991 verzeichnete die Mannschaft prominente Neuzugänge: neben dem neuen Trainer Volker Ligges (früher Bayer Leverkusen), wechselte die 262fache Nationalspielerin der ehemaligen DDR, Katrin Mietzner, zu Schwarz – Weiß. Die Weltmeisterin von 1978 sollte der Mannschaft den entscheidenden Schub nach vorne bringen. Mit dem Aufrüsten der 1. Mannschaft ging es leider mit den Jugendmannschaften kontinuierlich bergab. Während die weibliche A-Jugend zunächst eine Spielgemeinschaft mit Eintracht Wiesbaden bildete, musste die B-Jugend zuerst vom Spielbetrieb zurückgezogen und später aufgelöst werden. Die prominenten Neuzugänge bei der 1. Damenmannschaft bewirkten, dass sich das Team in der Saison 1991/92 in der 2. Bundesliga souverän den ersten Platz erkämpfte und sich damit die Teilnahme an der Relegationsrunde zur 1. Bundesliga sicherte. Die Gegner in der Relegation waren die Mannschaften aus Berlin, Braunschweig, Hastedt und Wismar.
Nach Siegen in Braunschweig, gegen Hastedt und in Wismar lag das Schwarz – Weiß – Team vor dem letzten Spiel gegen die SG Guts Muths / BTSV Berlin punktgleich mit den Berlinerinnen an der Tabellenspitze, so dass es am 23. Mai 1992 in der Sporthalle am Elsässer Platz zu einem echten Endspiel kam. Vor 600 restlos begeisterten Zuschauern besiegten die Schwarz – Weißen in einem an Spannung kaum zu übertreffenden Spiel die Berlinerinnen mit 22 : 20. Damit war der Aufstieg in die 1. Bundesliga perfekt! Der Schlusspfiff ging in dem überschäumenden Jubel von Spielerinnen, Handballwart Otto Wittmer und all den zahlreichen Zuschauern unter. Der Jubel kannte keine Grenzen, Bier und Sekt flossen in Strömen. In der rauschenden Aufstiegsfeier, die bis spät in die Nacht dauerte, waren die zukünftigen Gegnerinnen Walle Bremen, Bayer Leverkusen und TV Lützellinden Gesprächsthema Nr. 1. Schwarz – Weiß in der 1. Bundesliga – ein Traum wurde wahr!! Doch wie es im Leben so ist, nach der überschäumenden Freude, folgt schon bald die Ernüchterung. Da neben dem Hauptsponsor, Dieter Klindworth, kein weiterer Sponsor gefunden werden konnte, und zudem aus dem vorherigen Jahr durch den entlassenen Manager Osimowitz noch zusätzliche Schulden bestanden, musste der Gürtel bei den Handball – Damen enger geschnallt werden. Um den Anforderungen des Abenteuers 1. Bundesliga gerecht zu werden, bildete der 1. Vorsitzende Walter Langenberger, Handballwart Otto Wittmer und Kassierer Rainer Giehl nun ein Dreiergremium. Mitten in die Auseinandersetzungen mit dem Finanzamt und der Suche nach weiteren Sponsoren platzte die Nachricht, dass der Trainer, Volker Ligges, kurzfristig beim Ligakonkurrenten Grün – Weiß Frankfurt angeheuert hatte. Für das Dreigestirn bedeutete dies, in kürzester Zeit einen geeigneten, kompetenten Nachfolger für die sicher reizvolle, in Anbetracht der finanziellen Situation und des begrenzten Kaders aber nicht leichten Aufgabe, zu finden. Die Lösung war ein alter Bekannter: Heinz – Peter Brehm, mit dem die Schwarz – Weißen schon in die 2. Bundesliga aufgestiegen waren. Er war sofort bereit, diese schwierige wie reizvolle Aufgabe zu übernehmen.

1 Jahr Bundesliga 1992/93, der Niedergang und die Auflösung der Abteilung 1995
Im ersten Spiel in der deutschen Eliteklasse kam es gleich zu einem Knüller, traf man doch auf die Mannschaft des ehemaligen Trainers Volker Ligges. Dem verdienten Punkt in Frankfurt folgten viele weitere Punkte sowie handballerische Leckerbissen gegen die deutschen Topteams. Schwarz – Weiß hatte sich endgültig in die Reihen der ganz Großen eingeordnet! Im Sog der guten Mannschaftsleistung gelang Christine Herrmann der Sprung in die Nationalmannschaft. Am Ende der Saison schaffte die Mannschaft den Klassenerhalt und das Trainer – Duo Heinz – Peter Brehm und Thomas Engler den sportlichen Erfolg, den ihnen kaum einer der Experten zugetraut hatte: Schwarz – Weiß bleibt in der Bundesliga! Abseits der sportlichen Erfolge wurde die finanzielle Last immer größer und als der Hauptsponsor, Dieter Klindworth, sich für die neue Saison zurückzog, gab es für die Verantwortlichen von Schwarz – Weiß nur noch eine Lösung:
Rückzug der Handball – Damen aus der Bundesliga um das Fortbestehen des Vereins zu sichern. Damit war ein wichtiges Kapitel Schwarz – Weißer Vereinsgeschichte beendet. Ein Schwarz – Weißer Traum geht erhobenen Hauptes zu Ende. Den letzten sportlichen Erfolgen, dem Erreichen des Viertelfinales im DHB – Pokal und der Titelgewinn beim Bundessportfest 1993 der DJK in Bamberg folgte der Rückzug aus der Bundesliga. Ein Jahr später folgte auch der Rückzug aus der 1. Bezirksliga und 1995 schließlich wurde die letzte spielende Mannschaft aus dem Spielbetrieb abgemeldet.


   

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