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„Habe geweint wie ein kleines Kind“: Konstanz-Keeper Hanemann verpasst verletzungsbedingt die EM

Die HSG Konstanz berichtet:

Alles lief wunderbar für Junioren-Nationaltorwart Stefan Hanemann. Nach einer hartnäckigen Muskelverletzung vor einem Jahr hatte er sich zurückgekämpft, mit der HSG Konstanz anschließend eine bärenstarke Saison gespielt.

Stefan Hanemann – Foto: Peter Pisa
Sich von Woche zu Woche gesteigert, den Meistertitel und den Aufstieg in die 2. Bundesliga gefeiert. Und im DHB-Team längst einen festen Platz im Kader erkämpft. Voller Vorfreude liefen die Vorbereitungen auf die U-20-EM auf Hochtouren. Bei der Airport Trophy in Kloten nun der bittere Rückschlag: seine Kniescheibe sprang heraus. Eine Operation wird folgen, die EM wird er verpassen.
„Okay, den Umständen entsprechend“, sagt er einen Tag später leise, wie es ihm geht. „Ich habe geweint wie ein kleines Kind. Nicht wegen der Schmerzen, wegen der puren Enttäuschung.“ Nach der sehr schmerzhaften Verletzung konnte er seine Emotionen nicht zurückhalten. Sofort war ihm klar, dass er nach der U-19-Weltmeisterschaft im vergangenen Jahr auch an der Europameisterschaft verletzungsbedingt nicht teilnehmen können wird. „Das ist ein schwerer Schlag für Stefan und auch für uns“, sagt HSG-Präsident Otto Eblen, „er war in richtig guter Form und hatte sicher große Chancen, als Nummer eins zur EM zu fahren.“
Ein paar Tage zuvor lief es dabei noch prächtig. „Ich war topfit, richtig gut drauf und wollte es allen zeigen“, sagt der 20-Jährige niedergeschlagen und hadert: „Jetzt kann ich die Vorbereitung wieder nicht mitmachen und verpasse das nächste große Highlight.“ Bitter. Enttäuschend. Unglaubliches Pech. Nach einem guten Lehrgang wollte er sich im zweiten Spiel bei der Airport Trophy – Deutschland holte sich souverän den Turniersieg – in Kloten beweisen. Nach der Pause wurde er gegen Island eingewechselt. Bei Spielminute 31:59, nach nicht einmal zwei Minuten auf dem Feld, war alles vorbei. Beim Versuch, einen Siebenmeter abzuwehren, wollte er eine Finte setzen, zog zuerst das linke Bein nach oben und wechselte dann. Plötzlich sackte ihm das Standbein weg. „Es hat dreimal geknackt“, schildert Hanemann die nächsten Sekunden. „Ich habe sofort um Hilfe gerufen und geschrien. Zuerst habe ich an das Kreuzband gedacht, nachdem wir die Schoner abgenommen hatten, haben wir allerdings die verschobene Kniescheibe entdeckt.“ Er wurde sofort in ein Krankenhaus gebracht.

Die Schmerzen waren groß, doch viel schlimmer war die sofort aufkommende Gewissheit, dass er die U-20-Europameisterschaft ab 28. Juli in Dänemark nicht als Spieler erleben wird. „Mir ging die EM sofort durch den Kopf, ich wusste, dass ich nicht dabei sein werde.“ Das Gefühl sollte ihn – leider – nicht täuschen. Zwar war es tatsächlich nicht das Kreuzband, doch bei der Patellaluxation wurden das Innenband und der Knorpel beschädigt. Nach dem ersten Nackenschlag einen Tag später der nächste: eine Operation ist unumgänglich, die nötige Pause wird damit nicht wie gehofft lediglich ein paar Wochen, sondern ein paar Monate lang sein. „Vier, vielleicht auch etwas weniger“, zeigt der talentierte Keeper die aktuelle Entwicklung auf.

Nach dem Unglück in der Halle wurde ihm schnell schlecht. In der Nacht lag er wach, konnte nicht schlafen. Immer wieder kamen die Gedanken an eine mögliche lange Pause. Hanemann: „Ich wusste einfach nicht, wie ich klarkommen soll, wie ich die lange Verletzungspause überstehen soll.“ Seinen Mannschaftskameraden drückt er nun aus der Ferne die Daumen und hofft, dass sie sich nach Steigerungen von Lehrgang zu Lehrgang auch ohne ihn die europäische Handball-Krone holen. Der 1,98 Meter große Hüne selbst muss nun erneut Geduld beweisen und sich langsam zurückkämpfen. Eine Aufgabe, die er schon einmal mit Bravour gemeistert hat. Eine, aus der er noch stärker herauskam. An der er wachsen und reifen konnte. Stefan Hanemann hat die Herausforderung längst angenommen, auf dem Weg zurück in die Spitze der deutschen Nachwuchstorhüter – und in die 2. Bundesliga mit der HSG Konstanz.


   

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