Handball-Zeitung

  Der interaktive Blog rund um den Handball – Kontrovers – Subjektiv – Emotional – von Fans für Fans  

Athletiktraining bei der wJSG Bad Soden/ Schwalb./ Niederh.

Die wJSG Bad Soden/ Schwalbach/ Niederhöchstadt informiert:

Interview mit Christian Weilbächer, Athletiktrainer für unsere weibliche Jugendspielgemeinschaft

Die Athletik der Spielerinnen wird zunehmend wichtiger. Wir haben darauf reagiert und mit Christian Weilbächer einen lizenzierten Übungsleiter für dieses Gebiet finden können. Heute stellen wir ihn vor.

Bereits seit einem halben Jahr ist Christian Weilbächer als Athletiktrainer für unsere weibliche Jugendspielgemeinschaft tätig. Der ausgebildete Physiotherapeut, der u.a. auch für die Basketball-Bundeligamannschaft der Gießen 46ers tätig war, arbeitet mindestens einmal pro Woche mit der C- und B-Jugend. Die Mädels haben intensiv und konzentriert an ihren athletischen Fähigkeiten gearbeitet und die Ergebnisse sind beeindruckend. Sie haben mittlerweile sichtlich an Stabilität gewonnen, fraglos ein Pluspunkt für eine harte Saison. Inzwischen kommt auch unsere Damenmannschaft in den Genuss seiner Übungseinheiten. Selbst wenn es zuweilen sehr anstrengend ist, gehen die Mädels mit großer Freude und positiver Energie in das Training. Wir haben Christian nach den Trainingsinhalten und seinem Geheimrezept gefragt.

Christian, du leitest seit einigen Monaten unser Athletiktraining. Wie ist dein bisheriger Eindruck?

Mein Eindruck ist sehr positiv. Zugegeben bin ich auch etwas überrascht, wie motiviert und talentiert die Spielerinnen sind. Die Mädels sind auch offen für Dinge, die sie so noch nicht gemacht haben. Die Zusammenarbeit klappt sehr gut und ich denke, ein gewisses Vertrauensverhältnis hat sich auch schon entwickelt. Gerade die Trainer zeigen großes Vertrauen und wir kommunizieren intensiv, offen und zielführend.

Welche Ausbildung und Erfahrungen auch aus anderen Sportarten bringst du mit?

Ich bin Physiotherapeut und so medizinisch vorgebildet. Meine Spezialisierung ist die Sportphysiotherapie und da habe ich vor kurzem einen Master of Science „Sports Physiotherapy“ in Salzburg erworben. Weiter hab ich einen C-Lizenz-Trainerschein Leistungssport „olympisches Gewichtheben“, da ich diese Sportart als Grundlage von athletischem Training erachte. Gearbeitet habe ich ein Jahr in der Basketball-Bundesliga bei den Gießen 46ers und war dort als Physiotherapeut und Athletiktrainer der Profis und Nachwuchsmannschaften (Nachwuchs-Bundesliga) tätig. Vorletzte Saison hab ich in der GFL 2 die Darmstadt Diamonds (American Football) physiotherapeutisch betreut. Man sieht, ich bin sehr an den amerikanischen Sportarten orientiert.
Selbst habe ich 12 Jahre Fußball gespielt und musste nach der A-Jugend aufgrund von Verletzungen aufhören. Mit meinem heutigen Wissen wäre das damals zu vermeiden gewesen.

Muss man mit Handballern anders arbeiten als z.B. mit Fußballern?

Naja, jeder Sport hat eigene Charakteristiken. In der Grundlage sind aber alle Spielsportarten wie Basketball, Fußball und eben auch Handball sehr ähnlich. Diese Sportarten sind Schnellkraft dominant und deshalb hat das Training ähnliche Übungen. Im Detail wird dann aber auch sportartspezifisch gearbeitet.

Unsere C1 und B1 konzentrieren sich regelmäßig einmal die Woche mit dir zusammen ausschließlich auf ihre körperliche Fitness. Warum ist aus deiner Sicht Athletiktraining schon im Teenageralter so wichtig und ab wann sollte oder darf man damit beginnen?

Athletiktraining sollte bereits bei den Kleinsten ein Teil des Trainings ausmachen. Als Vorbereitungstraining macht es immer Sinn, an der Athletik zu arbeiten. Leider kommen viele Kinder heute mit anderen Voraussetzungen zum Sport. Vor 20 Jahren war vieles noch nicht nötig, was heute im Verein geleistet werden muss. Da geht es nicht nur um Kraft und Ausdauer. Besonders die Koordination ist schwächer und ist ebenfalls Teil des Athletiktrainings.
Wenn dann eine Mannschaft ambitioniert ist, kann Athletiktraining ein Ergänzungstraining sein. Die Mädels in der C- und gerade B-Jugend haben teilweise Belastungen, die einem Profisportler gleichkommt. Diese Belastungen müssen verkraftet werden und da greift das Athletiktraining an. An erster Stelle steht immer die Verletzungsprävention!

Welches sind die Schwerpunkte Deines Trainings mit den beiden Mannschaften?

Mit beiden Teams erarbeitete ich Grundlagen. Zentral in meiner Arbeit ist das Langhanteltraining, hier verwenden wir viel Zeit für das Erlernen einer guten Technik. Dann wird in der C-Jugend mehr auf Koordination und Körpererfahrung Wert gelegt. Die B-Jugend kann schon intensiver belastet werden. Da stehen auch schon Krafttests auf dem Programm.

Du lässt die Mädels mit schweren Gewichten trainieren? Ist das nicht bedenklich, man hört doch, dass Krafttraining bei Jugendlichen schädlich sei.

Das ist ein weit verbreiteter Irrglaube, der sich besonders im deutschsprachigen Raum festgesetzt hat. Grundsätzlich kann jeder Sport bei der falschen Ausführung schädlich sein, das ist richtig. Bei gut angeleiteter Ausführung hat Krafttraining nachweislich aber große Vorteile. In vielen Untersuchungen konnte gezeigt werden, dass Knochen fester werden, die Verletzungsanfälligkeit sinkt und die sportliche Leistung steigt. Das Vorurteil, dass es die Wachstumsfugen schädigt, ist schlichtweg quatsch. Die Verletzungsrate in der Ausübung ist um ein Vielfaches geringer, als beispielsweise beim Fußball oder auch Handball. Es kommt nur immer auf die Ausführung an.

Du warst auch Teil unseres erfolgreichen Camps „Just for Girls“. Wie ist es für dich, jetzt ausschließlich mit Mädels und jungen Frauen zu arbeiten? Gibt es einen Unterschied zur Arbeit mit männlichen Teams?

Der Unterschied ist nicht groß. Körperlich braucht man nichts zu unterscheiden. Charakterlich unterscheiden sie sich schon, aber da alle mit dem Sport eine große Gemeinsamkeit verbinden, ist die Motivation letztlich gleich.

Die wichtigste Frage zum Schluss: Wie schaffst du es, dass die Mädels immer mit einem so großen Strahlen auf dem Gesicht aus deinem Training kommen?

Das kann ich auch nicht verstehen (lacht). Ich kann nur sagen, dass es weniger an mir liegt. Ich biete ein Training an, die Spielerinnen ziehen mit und sehen dann das ein oder andere Mal, wozu sie eigentlich in der Lage sind. Niemand hat vorher die Vorstellung, sein eigenes Körpergewicht als Zusatzlast in der Kniebeuge zu bewältigen. Wenn das dann geht, ist das ein super Gefühl und macht Lust auf mehr.

Christian, vielen Dank für dieses sehr informative Gespräch, und wir wünschen dir und den Mädels weiterhin viel Spaß und viel Erfolg!


   

Vielleicht ist ja auch einer dieser Berichte für Dich interessant?

« « | » »

Zum Weiterlesen einfach auf den jeweiligen Titel-Link klicken!

Oder zu den aktuellesten Infos auf Handball-Zeitung.de - Einfach hier klicken

Bisher gibt es noch keine Kommentare ...

Hinweis: Ein neu geschriebener Kommentar muss erst freigegeben werden, damit er öffentlich erscheint.


Impressum - AGB - Sitemap


Powered by WordPress • Basierend auf dem Theme: 'WorldNews 1.0' des 2008 verstorbenen Lothar Baier • Adaptiert und erweitert von Axel Kretschmer