Handball-Zeitung

  Der interaktive Blog rund um den Handball – Kontrovers – Subjektiv – Emotional – von Fans für Fans  

HBZ-Jugendförderung-Interview mit Dago Oliver Leukefeld

Michael Kleinmann im Handball-Zeitung-Interview mit dem EHF Master Coach mit eigener Handballschule, ehemaligem Nationaltrainer der Damen und Förderer des Jugendhandballs

Fotos: Leukefeld Handball; SG Bretzenheim

Michael Kleinmann (MK): Hallo Dago, vielen Dank, dass wir das Interview mit der Anrede dem „Du“ führen können. Eine sehr beeindruckende Karriere und tolle Projekte, die du neben deiner eigenen Handballschule machst. Bitte lass uns mal eine kleine Zeitreise machen, zu deinen Anfängen im Handballsport. Wann und wie bist du zum Handball gekommen?

Dago Leukefeld (DL): Hallo Michael, eigentlich erst relativ spät im Alter von 13 Jahren bis dahin war ich leidenschaftlicher Fußballer. Ein Lehrer, der selber ein sehr erfolgreicher Handballer war. hat mich mit „sanftem Druck“ in der Schule überredet.

MK: Deinen Werdegang im Handball beschreibst du sehr schön auf deiner Webseite. Hier der Link (Leukefeld Handball) zum nachlesen. Erzähle uns doch bitte etwas von deinen größten Erfolgen.

DL: Tja da stellt sich die Frage wie man als Trainer für sich „Erfolg“ definiert. Da ich alle Facetten dieses schönen Berufes erlebt habe ist oft ein nicht so spektakulärer Erfolg schöner als ein Titel. Jeder Titel, jedes Finale, jeder Aufstieg, jede Medaille, jede Platzierung, hat ja auch seine eigene Geschichte. Natürlich ist die Deutsche Meisterschaft mit Trier (die beste Mannschaft, die ich je trainieren durfte) ein großes Highlight. Aber auch die Aufstiege zweimal mit Erfurt einmal mit Blomberg in die erste Liga. Das Europapokalfinale mit Erfurt in einer ganz schweren Bundesligasaison. Die Medaillengewinne mit der DHB Auswahl bei Europa und Weltmeisterschaften. Aber oft war ein Erreichen eines Europacupplatzes oder der Klassenerhalt genauso schön.

Für mich war es immer wichtig, junge Spielerinnen zu entwickeln. Gerade Namen wie Nadine Krause (Welthandballerin) Maren Baumbach (eine der besten Spielmacherinnen der Welt) und viele Spielerinnen durfte ich in die A -Nationalmannschaft bringen. Spieleinnen wie Anja Althaus, Sabine Englert, Nadine Härdter, Alexandra Uhlig, Marielle Bohm, Janet Grunow, Heike Ahlgrimm, und viele mehr entwickelten sich zu tollen Handballerinnen
Als Erfolg sehe ich aber auch, dass Spielerinnen wie Marielle Bohm (DHB Trainerin), Kerstin Reckenthäler (Deutscher A Jugendmeister), Heike Ahlgrimm (Bundesligatrainerin), tolle Trainerinnen geworden sind.

MK: Bis zum heutigen Tag bist du sehr engagiert und ich frage mich, wie bekommst du diese ganzen Projekte unter einen Hut?

DL: manchmal ist das wirklich nicht ganz so einfach. Aber ich glaube, wer im Leistungssport groß geworden ist, lernt es schnell, gut zu organisieren und zu strukturieren. Das Wichtigste sind natürlich gute Partner.
Meine Frau hält mir da viel den Rücken frei, mein Co-Trainer Frank Puttfarken ist ein absoluter Fachmann, und natürlich meine Sponsoren die mich in meinen Projekten unterstützen.

MK: Und du machst neben den Projekten und Aufgaben auch noch mehrere Handball-Camps für die Jugend pro Jahr, wo du als Trainer den Jugendlichen zur Seite stehst und in der persönlichen Entwicklung hilfst. Was ich gesehen habe, machst dir dass sehr großen Spaß und du gehst mit sehr viel Fingerspitzengefühl an die verschiedenen weiblichen und männlichen Jugenden heran. Was ist da dein Geheimnis?

DL: Geheimnisse gibt es da keine. Ich liebe es einfach mit jungen Menschen zu arbeiten und ihnen Spaß und Ernsthaftigkeit zu vermitteln. Ich glaube, dass natürlich auch die Erfahrung von der Kreisklasse bis zur Nationalmannschaft mir hier auch sehr viel hilft. Außerdem hatte ich immer tolle Trainerkollegen mit den ich arbeiten und von denen ich lernen durfte an meiner Seite.

MK: Seit zwei Jahren betreust du bei uns in der Region das 1-wöchige Jugendtrainingslager der SG Bretzenheim. Wie kam der Kontakt zu Stande und was kannst du uns da berichten? Was ist für dich das Besondere bei der SG Bretzenheim?

DL: Der Kontakt kam über meinen guten Freund Thomas Niehoff (ehemaliger Manager des HC Leipzig und Mainzer Jung) zu Stande. Wolfgang Haun hat mich dann zu einigen Fortbildungen eingeladen und mich dann mal gefragt, ob ich nicht die Woche mit ins Trainingslager komme. Jedes Jahr ist das mit einer der schönsten Aufgaben für mich und meinen Co-Trainer.
Die Bretzenheimer sind einfach eine tolle Handballfamilie mit ganz viel Herz! Das Miteinander der Trainer, Verantwortlichen und Sportler ist einfach super.


MK: Hast du einen Überblick, was den Jugendhandball in Deutschland angeht? Wie schätzt du die aktuelle Situation ein?

DL: Wenn man so viel in Deutschland unterwegs ist wie ,kommt man schon zu einem Überblick. Ich denke, dass die Entwicklung regional völlig unterschiedlich ist. Die Zentren mit Sportschulen und Bundesligisten haben es noch relativ leicht, sich zu entwickeln. Aber für die breite Basis wird es immer schwerer. Mir fehlt da ein Konzept von Seiten des DHB. Das wichtigste in unsere Sportart sind unsere Trainer und die Kinder. Hier würde ich mir ähnlich wie im Fußball mehr für die Aus- und Weiterbildung an der Basis wünschen. Vielleicht eine Traineroffensive mit Lehrmaterialien, Fortbildungen, Hospitationen usw. Aber wir brauchen auch wieder mehr Handball in der Schule und eine Offensive der Kooperation Schule = Verein.


MK: Es entstehen in den letzten Jahren einige regionale Jugendleistungszentren. Wie schätzt du damit die Chance ein, wieder besser ausgebildete Jugendspieler zu bekommen und in der HBL zu integrieren?

DL: Die Leistungszentren sind sicherlich ein Weg und auch ein guter, wenn es in der Region ein Nehmen und Geben von Seiten der Zentren ist. Oft sehe ich aber, dass viele Zentren erst mal holen um zu haben und dann ihrer sportlichen und pädagogischen Aufgabe nicht gerecht werde. Es reicht nicht, nur Training zu machen. Eine ganzheitliche Betreuung im Bereich Schule – Sport- Medizin – Persönlichkeit ist ganz wichtig.

MK: Hier in der Region berichten uns Vereine, dass es immer schwieriger wird in der Jugendarbeit die Nachwuchsspieler für den Handball zu gewinnen und das teilweise nicht mehr alle Jugenden am Spielbetrieb teilnehmen können. Siehst du diese Entwicklung im ganzen Land auch?

DL: Ja das ist nicht nur bei euch ein Problem. Leider ist auch hier die Basis oft auf sich alleine gestellt. Es hängt ganz oft viel Arbeit an wenigen. Leider wollen wir Deutsche gerne Olympiasieger und Weltklassesport im Fernsehen erleben. Aber die Politik unterstützt das Ehrenamt lieber auf Plakaten und in Broschüren als in der Halle. Der Stellenwert des Sports (siehe die Entwicklung im Schulsport) wird immer geringer. Nur noch wenige haben Lust sich zeitlich zu binden und einzubringen.

MK: Du gibst auch Trainerlehrgänge und Workshops. Was sind für dich die wichtigsten Punkte für einen Jugendtrainer?

DL: Die Liebe zum Handball. Ich sage immer, man kann alles lernen wenn man will und die richtige Unterstützung hat. Er sollte auch nie vergessen, dass vor ihm Kinder stehen und keine kleinen Erwachsene. Immer versuchen zu lernen von erfahrenen Trainern ein Blick in andere Sportarten hilft auch immer. Korrigieren statt feststellen! Sie sollten auch außer dem Training einen Draht zu ihrer Mannschaft und den Eltern haben.

MK: Bei einigen Vereinen unserer Region könnte/müsste die Grundausbildung in den einzelnen Jugenden stark verbessert werden, wenn ich teilweise sehe, dass in der C-Jugend das Werfen und Fangen noch große Probleme bereitet. Hast du einen Grundleitfaden für die Basisausbildung, was in der F-, E- und D-Jugend gelernt bzw. gelehrt werden sollte als Grundlagen im Jugendhandball?

DL: Das ist nicht nur bei euch so. Ich erlebe quer durch Deutschland diese Probleme. Passen, Fangen und vor allem richtig werfen sind das A und O in unserer Sportart. Koordination und Stabilisation sind weitere wichtige Elemente, ohne die unsere Sportart einfach nicht funktioniert. Aber das Wichtigste ist: oft wird das fertige Produkt Handball trainiert und nicht der Weg dorthin. Ständig neue Regeln, die Kinder nicht verstehen und immer neue Reglementierungen helfen aus meiner Sicht auch nicht wirklich. Kinder wollen rennen, springen, werfen. Auch unsere Rahmentrainingspläne orientieren sich zu oft am Wünschenswerten statt am Machbaren an der Basis. Hier jetzt alle Dinge für einen Leitfaden zu geben ist sehr schwer. Ich denke, das Wichtigste ist ein altersgerechtes Training im Rahmen der Möglichkeiten, die jeder Verein und Trainer hat.

MK: Was möchtest du aus deiner Erfahrung den Jugendspielern und evtl. Trainern mit auf den Weg geben?

DL: Oh da gibt es sicherlich vieles. Aber alles ist ja nur meine subjektive Meinung. Ich sage den Trainern ja immer bei jeder Fortbildung, ich gebe nur meine Erfahrung und mein Wissen weiter keine Vorgaben oder ähnliches. Was dem einzelnen Trainer gefällt nehme es mit und probiert es, was nicht gefällt, last einfach weg.
Wichtig ist aber vor allem eines: verlangt nichts von euren Spielern, was ihr nicht trainiert! Wenn Training ist, dann geht das auch nur mit einer gewissen Disziplin denn nur Spaß alleine macht niemand besser. Lasst eure Kinder auch mal probieren, denn es sind keine Fehler, die sie machen, denn sie sammeln nur Erfahrungen (klar es sollten wie bei Erwachsenen nicht immer die gleichen Fehler sein).
Es gäbe sicherlich noch soooo vieles, aber ich komme ja gerne in eure Vereine und gebe etwas von meiner Erfahrung ab. (Lacht.)


   

Vielleicht ist ja auch einer dieser Berichte für Dich interessant?

« « | » »

Zum Lesen einfach auf den jeweiligen Bericht-Titel-Link klicken!

Oder doch lieber direkt zur Startseite mit den aktuellesten Infos auf Handball-Zeitung.de gehen?
Dazu einfach nur hier links - oder ganz oben auf der Seite auf unser Logo klicken!

Bisher gibt es noch keine Kommentare ...

Hinweis: Ein neu geschriebener Kommentar muss erst freigegeben werden, damit er öffentlich erscheint.


Impressum - AGB - Sitemap


Powered by WordPress • Basierend auf dem Theme: 'WorldNews 1.0' des 2008 verstorbenen Lothar Baier • Adaptiert und erweitert von Axel Kretschmer