Handball-Zeitung

  Der interaktive Blog rund um den Handball – Kontrovers – Subjektiv – Emotional – von Fans für Fans  

HBZ-Jugendförderung-Interview mit Henning Opitz

Michael Kleinmann im Handball-Zeitung-Interview mit dem Vorsitzenden des FDDH e.V. und Förderer des Jugendhandballs

Fotos: Pressefotos freigegeben von Henning Opitz, FDDH

Michael Kleinmann (MK): Hallo Herr Opitz, es ist für mich sehr beeindruckend mit welchem Einsatz Sie sich immer noch für den Handballsport engagieren und wir sind sehr stolz, Sie als HBZ-Mitmacher zu begrüßen. Ihr beeindruckender Werdegang im Handball reicht bis in die 50er Jahre zurück. Ich verrate kein Geheimnis, dass Sie im 77. Lebensjahr sind, auf 40 Berufsjahre zurückblicken, darunter 22 als leitender Angestellter. Sie sind 61 Jahre im Ehrenamt (eine Auflistung ist am Ende des Interviews), dazu kommt noch die Familie. Wie konnten Sie das alles unter einen Hut bringen?

Foto: Krebs
Henning Opitz (HO): Hallo Herr Kleinmann, vielen Dank, dass ich die Arbeit des FDDH hier in der Handball-Zeitung vorstellen darf. Wenn ich zurückblicke, frage ich mich das selbst. Doch es war möglich und machbar, wenn auch mit Hürden. Auch weil meine Familie mitgespielt hat, meine Frau mir den Rücken frei hielt, vier versetzungsbedingte Umzüge meisterte, obwohl sie selbst noch in der Bundesliga gespielt hat und dann viele Jahre als Trainerin bis zur Bundesliga der Frauen erfolgreich war.

MK: Was hat sie motiviert, so viele Jahre, bis zum heutigen Tag dabei zu bleiben?

HO: Im Beruf und Sport waren es immer neue Aufgaben, Herausforderungen, Tätigkeitsfelder und Zielvorstellungen, die damit verbunden waren. Auch heute ist das so. Einzig das jetzt mehr Konstanz eingetreten ist, nachdem ich 18 Jahre Präsident des Handball-Verbands Berlin gewesen und jetzt schon 20 Jahre Vorsitzender des Freundeskreises des Deutschen Handballs bin. Der setzt sich für die Förderung der Jugend im Deutschen Handballbund, seinen Verbänden und Vereinen ein, denn die Jugend ist unsere Zukunft! Für sie lohnt es sich einzubringen. Auch für die vielen Menschen, die sich für die Jugendarbeit in unseren Vereinen, den Kreisen, den Bezirken, Verbänden und im DHB engagieren.

MK: Könnten Sie nicht ein Buch über Ihre sechs Jahrzehnte für den Handballsport schreiben?

HO: Vieles davon habe ich noch im Kopf, aber auch dokumentiert, Fotos nach Jahren geordnet, Berichte aus Zeitungen gesammelt. Auch haben sich schon Ghostwriter bei mir gemeldet, um das niederzuschreiben und ein Buch daraus zu machen. Doch umgesetzt ist noch nichts. Auch weil ich meine Zeit viel besser dafür einsetzen kann, etwas für die Entwicklung der Handballjugend zu tun. Ebenso gerne für den Breiten- und Freizeitsport, Beachhandball und für die Frauenweltmeisterschaft 2017, schon aufgrund meiner großen Erfahrungen in der Organisation von Olympischen Spielen, Welt- und Europa-Meisterschaften.

MK: Ihr liebstes Kind ist und bleibt aber doch der 1991 gegründete Freundeskreis des Deutschen Handballs? Nächstes Jahr feiern Sie den 25. Geburtstag des FDDH und übersteigen die Fördersumme von 400.000 €.

HO: Genau so ist es. Aus den damals sieben Gründungsmitgliedern sind mittlerweile 210 Mitglieder geworden. Darunter 40 juristische Mitglieder, unter ihnen zehn Unternehmen. Zum Freundeskreis zählen viele Handballfans, ehemalige Spieler, Eltern, die die größten Fans ihrer handballspielenden Mädchen und Jungen sind, noch heute oder früher tätige Trainer, Vorstände, Mitarbeiter aus Verbänden und Vereinen, Schiedsrichter und viele andere mehr. Ebenso sportliche Vorbilder wie „Pitti“ Petersen oder „Blacky“ Schwarzer. Ihre Beiträge und Spenden machen unsere Förderung überhaupt erst möglich.

MK: Bitte erzählen Sie uns von der Gründung des FDDH, den Anfängen und was der Auslöser war.

HO: Der Auslöser zur Gründung war also einen gemeinnützigen Verein zu gründen, um Mitglieder zu gewinnen, Beiträge und Spenden zu sammeln, die der Arbeit der Handballjugend und der gesamten Weiterentwicklung des Handballsportes dienen. Die 1.Ordentliche Mitgliederversammlung wurde am 23. November 1991 anlässlich des DHB-Supercups 1991 in der neuen Frankfurter Ballsporthalle durchgeführt, an ihr nahmen bereits 36 Mitglieder teil.

MK: Dank der Mitglieder, Beiträge und Spenden konnte der FDDH seine Zuwendungen von Jahr zu Jahr steigern. Reichen die aber aus, um sämtliche Wünsche, die Projekte und Vorhaben der Jugend im DHB, aus den Verbänden und Vereinen zu erfüllen?

Foto: BoraBola/Harms
HO: Nein, denn die jedes Jahr eingereichten Projektanträge sind um ein Vielfaches höher. Für 2013, 2014, 2015 lagen die Wünsche bei jeweils mehr als 100.000 Euro, dem stehen Beiträge und Spenden von 25.000 bis 27.500 Euro gegenüber. Die Gründe dafür liegen auf der Hand. Die Zuschüsse aus den Haushalten von Bund, Ländern, Städten und Gemeinden werden immer weniger, trotz steigender Steuereinnahmen. Diese aber werden zum Abbau von Schulden, Tilgung von Zinsen und für dringend notwendige Infrastrukturaufwendungen eingesetzt.
Hinzu kommt, dass wir Handballer festgestellt haben, mehr Gelder in die Hand nehmen zu müssen, um die Zukunft zu sichern, das heißt Kinder und Jugendliche, vor allem Mädchen, aber auch Nachwuchsschiedsrichter für uns zu gewinnen. Ebenso bereits oder gerade zugewanderte Menschen (Migranten) für unsere Sportart zu begeistern oder eben auch Randgruppen mit einzubinden (Inklusion).
Genau in diese Richtung gingen viele der gerade entschiedenen Förder- und Projektanträge 2015, für die wir 30.600 Euro an Geld- und Sachspenden zur Verfügung stellen. Möglich wurde das durch mehr Mitglieder, insbesondere aber durch höhere Spenden in diesem Jahr.

MK: Heißt das, der FDDH braucht noch mehr Beiträge und Spenden, mit deren Hilfe er die Wünsche, Projekte und Vorhaben der Handballjugend unterstützen kann? Was tut er dafür?

HO: Der FDDH wendet sich an die Öffentlichkeit, um auf sich aufmerksam zu machen. Dazu gehören Internet-Seiten, Facebook-Meldungen und Twitter-Nachrichten, Pressedienste, Mitglieder- und Partner-News. Wir werben mit Infoständen, Flyern, Plakaten und Anzeigen.
Ein eigens dafür eingerichtetes Internetportal steht unter www.fddh.de den geförderten Einrichtungen (DHB, Verbänden, Vereinen und Partnern) zur Verfügung, die wir bei jeder Gelegenheit bitten, dieses zu nutzen, um im Web und auf Drucksachen für den FDDH um neue Mitglieder und Spenden zu werben.
Ebenso bitten wir die Vertreter der Handballjugend, im DHB sowie den Verbänden, und natürlich auch unsere Mitglieder, das persönliche Gespräch mit Freunden und Handballinteressierten zu suchen und sie zu bitten, Mitglied im FDDH zu werden oder zu spenden.
Interessenten überzeugen wir vom Mehrwert und Nutzen für unsere Mitglieder sowie von Zweck und Ziel der Projekte, die wir als ein gemeinnützig anerkannter Verein fördern. Gleiches tun wir für diejenigen, die statt Mitglied zu werden, lieber spenden wollen. Dazu gehört, dass der FDDH berechtigt ist, den Spendern von den Finanzämtern anerkannte, steuerreduzierende Zuwendungsbescheide zu erstellen.

MK: Funktioniert das? Oder muss der FDDH noch mehr tun?

HO: Das haben wir uns zuerst selber gefragt und auch eine Umfrage im Internet gestartet, um zu erfahren, wie Außenstehende den FDDH sehen. Ob sie ihn, den Zweck und die Ziele, die Handballjugend zu fördern, aber auch die Mehrwerte und Nutzen für Mitglieder und Spender kennen – und wenn ja, dann woher. Ebenso, ob sich die Befragten persönlich vor-stellen können, Mitglied oder Spender zu werden.
270 Teilnehmer gaben uns auf zehn Fragen 2.200 Antworten. Auf den ersten Blick ist das kein schlechtes Ergebnis. Doch zwingt es uns zu handeln, weil die Mehrheit der Teilnehmer (150 der 270) Zweck, Ziele und Leistungen des FDDH nicht kennen. Unsere Schlussfolgerung daraus ist, dass wir mehr informieren müssen, um diese Umfragewerte deutlich zu ver-bessern.
Außerdem haben wir den Kreis der FDDH-Botschafter, Handballprominenten und seiner Fürsprecher ausbauen können. Nach „Pitti“ Petersen und „Blacky“ Schwarzer konnten wir dafür Frank von Behren, Dominik und Isabel Klein, Silvia Schmitt und Daniel Stephan dafür gewinnen.

MK: Was tragen die geförderten Verbände, Vereine, der DHB und ihre Vertreter dazu bei, den FDDH, bekannt zu machen oder sogar neue Mitglieder und Spender zu gewinnen?

Foto: HBL/Schlotmann
HO: Von Jahr zu Jahr erfahren wir dort mehr Akzeptanz. Das schon oben erwähnte, eigens dafür eingerichtete Internetportal steht den geförderten Einrichtungen zur Verfügung und wird von vielen genutzt. Am meisten durch das Veröffentlichen unseres Logos und den Links auf die FDDH-Homepage.
Ebenso werden unsere Anzeigenmotive veröffentlicht, etwa bei Länderspielen des DHB, in den Printmedien der Verbände. Immer öfter werden auch unsere Pressemitteilungen und News übernommen. Doch eben nicht von allen. Da ist unser Wunsch, dass das immer mehr der Geförderten tun, sicherlich zu verstehen.
Unser größter Wunsch ist aber, dass noch mehr Vertreter der Verbände und Handballjugend persönlich auf die Menschen zugehen, die sie aus ihrem Umfeld kennen, und sie bitten, dem FDDH beizutreten oder Spenden zur Verfügung zu stellen. Gerade die persönliche Ansprache hilft am besten, neue Mitglieder und Spender zu finden und für den FDDH zu gewinnen.

MK: Wie steht es um die Zukunft im Deutschen Handball und was trägt der FDDH dazu bei?

HO: Nach dem Außerordentlichen Bundestag in Hannover verbinden wir die Hoffnung, dass der Handball in Deutschland wieder zu seinen Stärken zurückfindet. Auch weil die Verbände hinter dem gemeinsam erarbeiteten Konzept „Perspektive 2020 – Dem deutschen Handball eine Zukunft geben“ stehen.
Wir wollen dazu beitragen, in dem wir gerade die Projekte und Vorhaben fördern und unterstützen, die dem Gewinnen von Kindern und Jugendlichen und der Mädchenhandball-Förderung dienen. Ebenso Konzepte und Lösungen für die demografische Entwicklung geben, wie bedarfsgerechte Spielbetriebe und alternative Spielangebote. Auch wollen wir den Kinder- und Schulhandball fördern.

MK: 2016 feiert der FDDH sein 25-jähriges Jubiläum und 2017 der Handball in Deutschland sein 100-jähriges Bestehen. Haben Sie dafür schon Pläne?

HO: Die 25 Jahre FDDH werden wir am 30. April in Hamburg, anlässlich unserer dann anstehenden 9. Mitgliederversammlung, feiern und die Mitglieder ehren, die dem FDDH schon seit 1991 angehören. Aber auch alle anderen Mitglieder für ihre Bereitschaft, die Jugend zu fördern, mit Dankeschön-Urkunden auszeichnen, Auch wird es an dem Tag Neuwahlen geben und sich dann zeigen, wer den FDDH in die Zukunft führt, steuert und ihm Impulse gibt.
Beim 100-jährigen Jubiläum des DHB werden wir sicherlich dabei sein. Dieses wird kurz vor oder anlässlich der nach Deutschland vergebenen Frauen-Weltmeisterschaft 2017 gefeiert. Interessant ist dabei, dass 1917 acht Frauenmannschaften des Berliner Turner-Bundes mit dem Handballspielen begonnen haben. Erst 1920 spielten dann auch die Männer Handball.

Ein sehr beeindruckender Rückblick auf 61 Jahre im Ehrenamt des Handballsports:
Heute blickt Henning Opitz auf 61 Jahre ehrenamtliche Tätigkeit im Handballsport zurück. Mit seiner 1954 bestandenen Schiedsrichterausbildung in Berlin startete er sein ehrenamtliches Engagement für den Handballsport, das ihn heute noch bewegt und fit hält. Seine Schiedsrichtertätigkeit endete 1978, nachdem er unter anderem 100 Bundesliga- und Länderspiele geleitet hatte. Parallel dazu war er Handballtrainer (1959-1963), Abteilungsleiter des Sport-Club Charlottenburg (1964-1967), Pressewart des Handball-Verbands Berlin (1968-1973), Bezirksvorsitzender von Oldenburg und Weser-Ems (1976-1979), gleichzeitig im Vorstand und Pressesprecher des Handball-Verbands Niedersachsen (1978-1980, 1984-1986) sowie Vorsitzender des Norddeutschen Handball-Verbands (1980-1984). Darüber hinaus Pressesprecher sowie für Jugend zuständiges Mitglied im Vorstand des Deutschen Handballbunds (1982- 1986) und Vorsitzender der DHB-Finanzkommission (1986-1988). Sechs Jahre später wurde Opitz Präsident des Handball-Verbands Berlin (1994-2012) und seit 1995 ist er Vorsitzender des Freundeskreises des Deutschen Handballs (FDDH).


   

Vielleicht ist ja auch einer dieser Berichte für Dich interessant?

« « | » »

Zum Lesen einfach auf den jeweiligen Bericht-Titel-Link klicken!

Oder doch lieber direkt zur Startseite mit den aktuellesten Infos auf Handball-Zeitung.de gehen?
Dazu einfach nur hier links - oder ganz oben auf der Seite auf unser Logo klicken!

Bisher gibt es noch keine Kommentare ...

Hinweis: Ein neu geschriebener Kommentar muss erst freigegeben werden, damit er öffentlich erscheint.


Impressum - AGB - Sitemap


Powered by WordPress • Basierend auf dem Theme: 'WorldNews 1.0' des 2008 verstorbenen Lothar Baier • Adaptiert und erweitert von Axel Kretschmer