Handball-Zeitung

  Der interaktive Blog rund um den Handball – Kontrovers – Subjektiv – Emotional – von Fans für Fans  

Die Woche der Rheinhessen – Interview mit Oliver Reiß der SG Saulheim

Michael Kleinmann im Handball-Zeitung-Interview mit Oliver Reiß

Michael Kleinmann (MK): Hallo Herr Reiß, Sie sind der Abteilungsleiter der SG Saulheim. Bitte stellen Sie sich kurz vor und Ihren Werdegang/Bezug zum Handballsport und zum Verein.

Oliver Reiß (OR): Hallo Herr Kleinmann, zunächst mal vielen Dank für die Möglichkeit des – nennen wir es mal -„grenzüberschreitenden“ Gedanken- und Informationsaustauschs in Sachen Handball. Ich empfinde das als einen sehr positiven Ansatz unsere Sportart regional wieder etwas mehr ins Rampenlicht zu rücken. Zu meiner Person: Oliver Reiß, 46 Jahre alt, verheiratet und mit zwei Handball begeisterten Kindern gesegnet. Ich spiele selbst seit über 30 Jahren Handball und habe auch den einen oder anderen Verein als Spieler kennengelernt. Aber als Saulheimer ist die SG Saulheim für mich halt eine Herzenssache.

MK: Was ist das Besondere in Ihrem Verein und welche Zielsetzungen haben Sie?

OR: Das besondere bei der SG ist der Zusammenhalt bei den Aktiven und bei all jenen, die sich darüber hinaus ehrenamtlich bei uns engagieren. Das macht die Zusammenarbeit über Mannschaften hinweg einfacher. Aber das muss auch so sein, da wir bei den Herren drei Mannschaften haben, die voneinander abhängig sind. Steigt die Herren 1 ab, trifft dies auch die Herren 2 und Herren 3. Und da uns daran gelegen ist, dass wir jungen Spielern eine möglich breite Leistungsplattform bieten ist somit die Zielsetzung eigentlich auch schon automatisch vorgegeben: Leistungsorientierter, moderner Handball im Südwesten, aber auch in Rheinhessen.

MK: Wie sieht Ihre Jugendarbeit aus und welchen Stellenwert und Zielsetzung hat diese im Gesamtverein?

OR: Die Jugendarbeit ist die eigentliche Herausforderung eines jeden Vereins heute. Da haben viele Vereine zu kämpfen. Auch wir! Vom Stellenwert her sollte sie das wichtigste sein, was ein Verein betreibt, denn wenn wir heute den Fokus nicht mehr auf die Jugendarbeit legen, haben wir morgen und übermorgen keine Spieler mehr die in der Lage sind im Erwachsenenbereich mitzuhalten.
Wir haben das in Saulheim durchaus erkannt. Die Umsetzung ist allerdings alles andere als einfach. Es ist schwierig heute ausreichend qualifizierte Trainer zu finden. Oft ist man ja schon froh im Erwachsenenbereich qualifizierte Trainer zu haben. Auch spielt das Thema Hallenzeiten immer wieder eine Rolle. Und letztendlich verändert sich auch der Fokus der Jugendlichen. War man früher mit einer Sportart zufrieden, so betreiben die Kinder heute meist zwei Sportarten, spielen noch ein Musikinstrument und gehen dann evtl. auch noch auf die Ganztagsschule.

MK: Gibt es bei Ihnen ein eigenes Jugendkonzept? Nennen Sie uns bitte ein paar Punkte.

OR: Wir versuchen den veränderten Rahmenbedingungen der Jugendlichen in Saulheim entsprechend entgegenzuwirken. Auf Basis eines Konzeptes zur Talentförderung arbeiten wir mit Jürgen Kleinjung „Kleini“ an der Weiterentwicklung unserer Jugendlichen über das normale Training hinaus. „Kleini“ trainiert hierbei mit Jugendlichen unterschiedlichen Alters gezielt an deren Schwachpunkte, um sie so Schritt für Schritt besser zu machen. Eine Maßnahme, von der wir uns langfristig viel versprechen und die den Jugendlichen sehr viel Spaß macht. Aber das ist bei Trainingseinheiten von „Kleini“ ja fast immer der Fall.
Weitere Maßnahmen in diesem Zusammenhang sind Trainerschulungen, Handball-Camps und Veranstaltungen wie der Tag des Handballs oder der Besuch eines Handball-Bundesligaspiels.

MK: Wie unterstützt Sie der HVR im Verein? Gibt es eine besondere Unterstützung der Jugendarbeit?

OR: Das ist glaube ich aktuell etwas schwierig. Die Unterstützung erfolgt insbesondere durch Auswahl- und Fördertrainings. Ich glaube aber, dass es langfristig betrachtet notwendig ist sich mehr hinsichtlich Trainer- und Spielerbetreuung in den Vereinen einzubringen. Meines Erachtens ist es immer stärker erforderlich, dass man von Verbandsseite den Vereinen jemanden zur Seite stellt, der sich Vollzeit um die Weiterentwicklung des Jugendhandballs kümmert. Angefangen bei der konzeptionellen Arbeit bis hin zur Betreuung der Vereinstrainer, der Auswahltrainer und der Auswahlspieler. Das größte Problem hierbei ist – wie so oft – der finanzielle Spielraum. Als einer der kleinsten Verbände hat der HVR nur begrenzte Möglichkeiten. Hier gilt es anzusetzen, denn die kleinen Verbände sind bzgl. ihrer Probleme das Spiegelbild der Entwicklung für die großen Verbände.

MK: Wie sieht die Planung und Zielsetzung der 1. Mannschaft aktuell und für die Zukunft aus?

OR: Da wir mit Herren 2 und Herren 3 vom Erfolg unserer Oberligamannschaft abhängen, ist die Zielsetzung relativ einfach: erfolgreich tempoorientierten bzw. modernen Handball spielen und dabei immer die eigene Identität im Blick behalten.

MK: Was macht für Sie der besondere Reiz der Derbys aus?

OR: Das Besondere ist, dass sich nicht nur die Vereine, sondern auch die Spieler i.d.R. sehr gut kennen. Meist persönlich, man ist befreundet oder hat beim gegnerischen Verein auch schon gespielt. Die Beziehungen sind vielfältiger als gegenüber Vereinen aus der Pfalz, dem Rheinland oder dem Saarland. Man will sich beweisen auf der rheinhessischen Handballbühne. Es geht immer darum zu zeigen: „Ich bin der Bessere“ – das gilt für Spieler und für die Vereine. Und da bringt man als Spieler durchaus dann auch mal das ein oder andere Prozent mehr an Wille und Emotion ein. Das ist es aber doch, was unsere Sportart ausmacht.

MK: Was halten Sie von der Idee des Präsidenten Klaus Kuhn der „SG Rheinhessen“? Wie realistisch schätzen Sie die Umsetzung ein?

OR: Nun hierzu gab es ja mittlerweile ein Gespräch mit den Oberligavereinen und auch die entsprechende Berichterstattung in der Presse. Wir sehen hier viel zu viele Problemstellungen, als das ein der artiges Konstrukt wirklich erfolgsversprechend wäre. Aber ich glaube dessen ist sich Klaus Kuhn durchaus im Voraus bewusst gewesen. Das eigentliche Ergebnis dieses Gesprächs war, dass wir uns als Vereine und als Verband viel mehr um die Jugendarbeit kümmern müssen. In welcher Form auch immer. Nur wenn wir hier erfolgreich Jahr für Jahr gute bis sehr gute Jugendspieler herausbringen, kann man dauerhaft über die dritte Liga nachdenken. Ansonsten wäre es meines Erachtens nicht nur ein finanzielles Harakiri.

MK: Unter welchen Rahmenbedingungen könnten Sie sich vorstellen diese Idee zu unterstützen?

OR: Ich kann es mir als SG Rheinhessen gar nicht vorstellen.

MK: Alle erfolgreichen Profimannschaften haben als Unterbau eine erfolgreiche bis sehr gute Jugendarbeit. Wie könnte das in die Planungen der SG Rheinhessen integriert werden?

OR: Siehe oben


   

Vielleicht ist ja auch einer dieser Berichte für Dich interessant?

« « | » »

Zum Weiterlesen einfach auf den jeweiligen Titel-Link klicken!

Oder zu den aktuellesten Infos auf Handball-Zeitung.de - Einfach hier klicken

Bisher gibt es noch keine Kommentare ...

Hinweis: Ein neu geschriebener Kommentar muss erst freigegeben werden, damit er öffentlich erscheint.


Impressum - AGB - Sitemap


Powered by WordPress • Basierend auf dem Theme: 'WorldNews 1.0' des 2008 verstorbenen Lothar Baier • Adaptiert und erweitert von Axel Kretschmer