Handball-Zeitung

  Der interaktive Blog rund um den Handball – Kontrovers – Subjektiv – Emotional – von Fans für Fans  

HBZ-Jugendförderung-Interview zur neuen Oberliga RH/RLP/S der C-Jugend von Bodenheim und Budenheim

Beide Vereine setzen bei der Jugendarbeit auf „Eigengewächse“; mit „Bodenumer“ und „Budenumer“ Jungs in der Oberliga

Michael Kleinmann im Handball-Zeitung-Interview mit Andreas Hannappel, C-Jugendtrainer des TV Bodenheim:

„Alle Spieler der jetzigen Mannschaft spielen mindestens seit der E-Jugend in Bodenheim, manche sogar schon länger. Es ist da keiner dazu geholten worden, sondern das sind alles „Bodenumer Jungs“ und da bin ich persönlich und natürlich der gesamte Verein extrem stolz drauf. 8 von 13 Spielern wohnen auch direkt in Bodenheim, die übrigen 5 kommen aus den direkten Nachbarortschaften.“

Michael Kleinmann (MK): Hallo Andi, die Vorrunde der neuen Oberliga ist jetzt gespielt, ihr steht aktuell auf Platz 10. Welche Bilanz zieht ihr nach der Hinrunde? Welche Erfahrungen konntet ihr in der neuen Oberliga für den Verein und die Mannschaft sammeln?

Andreas Hannappel (AH): Bis jetzt sind die Eindrücke fast ausschließlich positiv. Auch wenn die Runde für uns sportlich sehr hart ist sieht man doch in den zurückliegenden Wochen eine enorme Steigerung der Jungs und das war genau das was wir uns erhofft hatten. Wir wollten, dass sich unsere Spieler weiterentwickeln und das geht nun mal am besten wenn man jede Woche auf wirklich hohem Niveau gefordert wird. Schade ist allerdings, dass wir auf Grund von langwierigen Verletzungen und Krankheiten noch in keinem Spiel in Bestbesetzung antreten konnten aber das kann man ja leider nicht ändern.

MK: Der Start in diese neue Oberliga „Qualifikation“ war etwas komisch. Für den HVR waren drei Startplätze gesetzt, aber es haben sich nur 2 Vereine dafür angemeldet. Wie war das für euch, praktisch kampflos in der höchsten Spielklasse spielen zu dürfen? Wie konntet ihr die Leistungsstärke von euch und den Gegnern im Vorfeld einschätzen?

AH: Das stimmt, das war schon eine merkwürdige und auch etwas unglückliche Situation. Wir wussten aus den Erfahrungen der letzten Jahre, dass unsere Mannschaft in Rheinhessen definitiv zu den besten 4-5 Teams ihrer Altersklasse gehört. In Vorbereitungsspielen und bei Turnieren hat sich dieser Eindruck dann auch bestätigt. Das dann keine Qualifikation stattfand fanden wir sehr schade, da wir uns die Teilnahme an der Oberliga gerne sportlich verdient hätten.

MK: Wie organisiert ihr die teilweise sehr weite Anreise? Euer weitester Gegner der SV 64 Zweibrücken ist ca. 150 KM entfernt, das ist logistisch und von den Fahrtkosten erst einmal zu stemmen für eine C-Jugendmannschaft.

AH: Von Vorstandsseite des Vereins kam direkt die Zusage für einige Auswärtsfahrten einen Bus zur Verfügung zu stellen. Speziell für weiten Strecken von über 100 km. Das ist eine tolle Sache und ohne diese Unterstützung hätten wir es wohl auch nicht gemacht. Die wichtigste Unterstützung sind jedoch weiterhin die Eltern. Sie müssen hier auch einiges an Zeit und teilwiese Geld investieren und das ist ihnen gar nicht hoch genug anzurechnen. Dafür möchte ich ihnen auch an dieser Stelle nochmals danken!

MK: Welche Erfahrungen habt ihr im Trainerteam mit den Spielern und deren persönliche Entwicklung gemacht?

AH: Wie bereits erwähnt überwiegend positive, sportlich bringt sie diese Runde in der Oberliga auf jeden Fall enorm weiter. Besonders bemerkenswert finde ich außerdem das mittlerweile sehr große Interesse der Jungs am Handball allgemein. Bundesliga, CL, Nationalmannschaft, andere Jugend- oder Aktiventeams der Umgebung. Alles wird verfolgt und teils schon knallhart analysiert. Da darf ich mir Dienstags im Training über mein eigenes Spiel auch schon den ein oder anderen „klugen Ratschlag“ anhören 😉

MK: Wie ist denn die Struktur der Mannschaft vom Jahrgang und der Herkunft/Wohnort der einzelnen Spieler?

AH: Alle Spieler der jetzigen Mannschaft spielen mindestens seit der E-Jugend in Bodenheim, manche sogar schon länger. Es ist da keiner dazu geholten worden, sondern das sind alles „Bodenumer Jungs“ und da bin ich persönlich und natürlich der gesamte Verein extrem stolz drauf. 8 von 13 Spielern wohnen auch direkt in Bodenheim, die übrigen 5 kommen aus den direkten Nachbarortschaften. Die Mannschaft besteht aus 7 Spielern des älteren und 6 des jüngeren Jahrgangs. Im nächsten Jahr werden die älteren dann also in die B-Jugend hoch gehen und die jüngeren den eingespielten Kern der neuen C-Jugend bilden. Mit Sicherheit wird da der ein oder andere auch mal bei der B-Jugend aushelfen. In welcher Liga das aber jeweils sein wird kann ich jetzt noch nicht sagen.

MK: Habt ihr ein Vereinseigenes Jugendkonzept beim TV Bodenheim? Könnt ihr uns bitte ein paar Beispiele geben, was so besonderes ist in Bodenheim, oder ihr besonders gut macht?

AH: Wir versuchen eine enge Beziehung von den Aktiven runter in die Jugendmannschaften aufzubauen um ein wirkliches „Vereinsgefühl“ zu erzeugen. Mit Marcel und mir hat die C-Jugend ja z. B. zwei Trainer die selbst in der 1. Mannschaft beim TVB spielen. Unsere Mannschaftskameraden machen regelmäßig Zeitnehmer bei den Jugendspielen oder kommen einfach nur zum zu schauen. Jetzt kurz vor Weihnachten fahren wir dann auch zusammen zum Auswärtsspiel nach Vallendar in einem Bus. Die C-Jugend spielt um 16:15 und die 1. Mannschaft um 18:00 dort gegen HV Vallendar. Das wird bestimmt ein besonderer Tag für alle Beteiligten.

 

Michael Kleinmann im Handball-Zeitung-Interview mit Fabian Vollmar, C-Jugendtrainer der SF Budenheim:

„Dennoch holen wir die Jungs nicht nach Budenheim, nur um in dieser Oberligasaison spielfähig zu sein. Für uns geht es vielmehr darum, die Spieler langfristig als Persönlichkeit zu binden. Wir verstehen uns als große Familie, da geht es zwar natürlich auch um Leistungssport, aber eben nicht nur.“

Fotos: Oliver Zimmer

Michael Kleinmann (MK): Hallo Fabian, die Vorrunde der neuen Oberliga ist jetzt gespielt, ihr steht sehr erfolgreich auf Platz 2 und konntet sogar gegen den Tabellenersten die TSG Friesenheim in Ludwigshafen 31:26 gewinnen. Bericht zum Spiel.
Welche Bilanz zieht ihr nach der Hinrunde? Welche Erfahrungen konntet ihr in der neuen Oberliga für den Verein und die Mannschaft sammeln?

Fabian Vollmar (FB): Das war für uns in der Tat eine sehr lehrreiche und letzten Endes auch erfolgreiche Hinrunde. Nachdem wir in den ersten 3 Spielen 3 Punkte haben liegen lassen, sind die Jungs jetzt in der Oberliga angekommen – und fühlen sich sehr wohl dort oben in der Tabelle. Insbesondere das Remis in Hochdorf wurmt aber noch sehr, hier haben wir einen zwischenzeitlichen 8-Tore-Vorsprung verspielt und mit einem direkten Freiwurf in der Schlusssekunde den Ausgleich hinnehmen müssen. Das war dann wohl das sprichwörtliche Lehrgeld, das die Jungs gezahlt haben. Für den Verein ergeben sich bisher wenige Neuerungen, in den höheren Altersklassen sind wir in Budenheim ja schon Oberliga-erfahren. Die neue C-Jugend Oberliga ist aber natürlich ein idealer Einstieg in den Leistungshandball und war aus meiner Sicht auch mehr als überfällig.

MK: Das Trainerteam besteht nicht nur aus dir, sondern es sind noch drei weitere, gleichberechtigte Trainer dabei. Bitte stelle sie uns kurz vor.

FB: Wir sind ein 4-köpfiges Trainerteam die zusammen beide Mannschaften trainiert und es gibt keine strikte Trennung der C1- und C2-Jugend wie man es üblicherweise kennt. Unserem Trainergrundsatz nach, wollen wir nicht diese strikte Trennung, weil es ein Team und eine C-Jugend in Budenheim ist. Unser Trainerteam von links nach rechts: Jan Ludwig, Stefan Ackermann, Alexander Schek, Fabian Vollmar.

MK: Der Start in diese neue Oberliga „Qualifikation“ war etwas komisch. Für den HVR waren drei Startplätze gesetzt, aber es haben sich nur 2 Vereine dafür angemeldet. Wie war das für euch, praktisch kampflos in der höchsten Spielklasse spielen zu dürfen? Wie konntet ihr die Leistungsstärke von euch und den Gegnern im Vorfeld einschätzen?

FB: Dieser fliegende Start ohne Pflichtspiel war in der Tat ein Problem. Zum einen, weil wir nicht in der Lage waren, eine Vorbereitung mit Pflichtspielcharakter zu spielen, zum anderen natürlich weil es die Standortbestimmung sehr schwer gemacht hat. Natürlich Bestand hier auch das Risiko, in der Oberliga abgeschlachtet zu werden. Wir haben die Chance genutzt, uns die Qualifikationen der anderen Teams anzuschauen, in Testspielen haben wir diese jedoch gemieden und uns vor allem im hessischen Umfeld auf Turnieren bestmöglich auf die Saison vorbereitet.

MK: Wie organisiert ihr die teilweise sehr weite Anreise? Euer weitester Gegner der SV 64 Zweibrücken ist ca. 150 KM entfernt, das ist logistisch und von den Fahrtkosten erst einmal zu stemmen für eine C-Jugendmannschaft.

FB: Glücklicher Weise liegen wir im Vergleich mit den anderen Teams sogar noch relativ zentral. Dennoch erfordern die Auswärtsfahrten in die Pfalz, das Saarland oder den Hunsrück natürlich eine enorme Bereitschaft des gesamten Umfeldes. Hier können wir glücklicher Weise voll und ganz auf die Eltern setzen, die durch die Bank weg sehr motiviert sind, hinter der Mannschaft stehen und somit auch uns Trainern ein Stück weit den Rücken frei halten. Vor der Runde haben wir und alle, auch die Eltern, darauf eingeschworen, dass diese Runde nur funktioniert, wenn wir alle an einem Strang ziehen, das fängt bei der Trainingsanwesenheit an und endet eben bei der Fahrbereitschaft am Wochenende.

MK: Welche Erfahrungen habt ihr im Trainerteam mit den Spielern und deren persönliche Entwicklung gemacht?

FB: Viele der Jungs kennen wir schon seit mehreren Jahren. Dennoch hat dieser Schritt aus dem gewohnten rheinhessischen Umfeld einige Neuerungen mit sich gebracht. Das hat man vor allem im Vorfeld der Saison bemerkt, als einige Spieler das Gespräch mit uns gesucht haben, weil sie nicht sicher waren, ob sie den Aufgaben gewachsen sind. Das ist für uns natürlich in doppelter Hinsicht positiv: zum einen ein enormer Vertrauensbeweis der Jungs, der zeigt, dass wir aktuell eine sehr gute Harmonie im Team haben, zum anderen wollen wir als Trainer natürlich lieber selbstkritisch reflektierende Spieler als überhebliche Überflieger. Nach der erfolgreichen Hinrunde hat sich die Nervosität nun auch gelegt, die Jungs sind selbstbewusst und genießen jede Minute Spielzeit.

MK: Wie ist denn die Struktur der Mannschaft vom Jahrgang und der Herkunft/Wohnort der einzelnen Spieler?

FB: Das ist ein sehr interessantes Thema. Der Großteil unserer Spieler gehören zum jungen 2001er-Jahrgang. Dieser wird getragen von vier sehr spielstarken 2000ern, die den Kern unseres Spiels bilden. Dass der ältere Jahrgang der dominante ist, ist aber natürlich und auch bei unseren bisherigen Gegnern der Fall gewesen. Hier gilt es natürlich gegen Rundenende, die jüngeren Spieler auf die kommende Verantwortung der Saison 2015/16 vorzubereiten. Auch entwicklungstechnisch ist das natürlich ein interessantes Alter, bei dem die Interessen und Charaktere doch sehr auseinander gehen. Dennoch oder gerade deswegen ist das Team im vergangenen halben Jahr sehr eng zusammen gewachsen, gerade die 2000er nehmen ihre Führungsrolle auf und neben dem Spielfeld vorbildlich an.
Was die Wohnorte – und damit auch sportliche Herkunft – angeht hatten wir vor der Saison mit Benjamin Glindemann, Thorben Schlüter (beide TV Nieder-Olm) und Emil Pries (HSC Ingelheim) tatsächlich drei externe Neuzugänge, Spielmacher Paul Baum kommt ursprünglich vom HC Gonsenheim. Dennoch holen wir die Jungs nicht nach Budenheim, nur um in dieser Oberligasaison spielfähig zu sein. Für uns geht es vielmehr darum, die Spieler langfristig als Persönlichkeit zu binden. Wir verstehen uns als große Familie, da geht es zwar natürlich auch um Leistungssport, aber eben nicht nur. Wer glaubt, nur zum Training und den Spielen herkommen zu können, wird schnell merken, dass das nicht funktioniert. Wir wollen mit den Jugendlichen eine langfristige Entwicklung vollziehen, handballerisch und menschlich. Das fängt bei Spielanteilen in höheren Jugenden an und endet beim Engagement der Jungs als Trainer in jüngeren Jugendmannschaften oder unserem Handballcamp. Unser Ziel ist es, nicht „nur“ Handballspieler auszubilden, sondern eben auch starke Persönlichkeiten.

MK: Habt ihr ein Vereinseigenes Jugendkonzept bei den SF Budenheim? Kannst du uns bitte ein paar Beispiele geben, was so besonderes ist in Budenheim, oder ihr besonders gut macht?

FB: Ja, wir arbeiten seit längerem mit einem einheitlichen Jugendkonzept. Neben sportlichen Grundprinzipien wie offensive Abwehr etc., die eng an der Rahmentrainingskonzeption des DHB orientiert sind, beinhaltet dieses auch eine kontinuierliche Leistungsdiagnostik, mit der sich individuelle Entwicklung eben auch valide messen lässt. Spielerisch sind wir in der Lage, jedem Spieler, der sich anbietet entsprechend seinem Leistungsvermögen immer neue Aufgaben zu stellen. Das sieht man sehr deutlich an unserer D-Jugend, bei der die Hälfte der Jungs bereits Stammspieler in der C2 Rheinhessenliga sind. Durch diese Erfahrungen vollziehen die Spieler eine enorme Entwicklung und können sich nie auf ihrem aktuellen Leitungsstand ausruhen – es wird immer wieder ein neuer Leistungshorizont geboten. Auf der anderen Seite vernachlässigen wir aber auch nicht die Spieler, die eben nicht oder noch nicht das Zeug zum Leistungshandball auf Oberliga-Niveau haben. Diese sammeln in der Rheinhessenliga ihre Erfahrungen, schlagen sich dort auch hervorragend und haben durch das gemeinsame Training mit der C1 auch jederzeit die Möglichkeit, sich zu präsentieren und anspruchsvolles Training wahrzunehmen. Wir können nicht immer nur den Fokus auf die Talente setzen und den Rest außen vor lassen. Ein großer und gesunder Verein lebt auch vom Breitensport, hier schlummern viele verborgene Talente, ob als Schiedsrichter, engagierte Trainer oder in sonstigen Funktionen – um diese zu wecken und zu entwickeln ist jedes Kind wertvoll, frei von seiner sportlichen Begabung.


   

Vielleicht ist ja auch einer dieser Berichte für Dich interessant?

« « | » »

Zum Weiterlesen einfach auf den jeweiligen Titel-Link klicken!

Oder zu den aktuellesten Infos auf Handball-Zeitung.de - Einfach hier klicken

Bisher gibt es noch keine Kommentare ...

Hinweis: Ein neu geschriebener Kommentar muss erst freigegeben werden, damit er öffentlich erscheint.


Impressum - AGB - Sitemap


Powered by WordPress • Basierend auf dem Theme: 'WorldNews 1.0' des 2008 verstorbenen Lothar Baier • Adaptiert und erweitert von Axel Kretschmer