Handball-Zeitung

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HBZ-Jugendförderung-Interview mit Pascal Hens

Die Entwicklung vom Jugendspieler und Kasteler Bub zum erfolgreichen Bundesliga- und Nationalspieler

Michael Kleinmann im Handball-Zeitung-Interview mit „Pommes“, Welt- und Europameister, Kapitän vom HSV Hamburg

Alle Fotos sind aus dem Familienarchiv…
„Die größten Förderer sind natürlich immer noch die Eltern! Denn wenn ich zurückdenke, muss ich ein riesen Dankeschön an all die Eltern geben, die uns Kinder damals schon jedes Wochenende (teilweise um 9 Uhr morgens) zu den Auswärtsspielen gefahren und unterstützt haben!“

Michael Kleinmann (MK): Hallo Pascal, herzlichen Dank, dass du trotz der knappen Zeit und kurzen Nächte durch die Geburt deiner Tochter dich für die Handball-Zeitung.de zur Verfügung stellst und uns von deiner Entwicklung und deinem Werdegang für die Jugendförderung berichtest. Persönlich freue ich mich sehr, dass ich das Interview mit dir machen darf, da unsere Familien ja seit Jahrzehnten befreundet sind.
Den Schwerpunkt vom Interview möchte ich für unsere vielen jungen Leser und Jugendverantwortlichen auf deine Entwicklung legen „vom Jugendspieler und Kasteler Bub zum erfolgreichen Bundesliga- und Nationalspieler“, aber dazu kommen wir gleich.
Bitte berichte uns kurz, wie es deinem Körper geht und zu deiner aktuellen Situation beim HSV Hamburg, dein Vertrag läuft im Sommer 2015 aus. Führst du schon Gespräche über eine Vertragsverlängerung und möchtest du weiterspielen, oder steht für dich jetzt schon fest, die aktive Handballkarriere 2015 zu beenden?

Pascal Hens (PH): Also körperlich geht es mir momentan sehr gut. Das liegt zum Großteil natürlich auch daran, dass ich 2012 meine Nationalmannschaftskarriere beendet habe. Das soll nicht heißen, dass ich nicht gerne für die Nationalmannschaft gespielt habe, aber die Belastung für den Körper ist schon sehr hoch, wenn man 10 Jahre lang für die Nationalmannschaft gespielt hat. Deshalb habe ich dann auch entschieden, meinem Körper ein paar Pausen zu gönnen und habe somit meinen Rücktritt erklärt. Beim HSV war der Saisonstart sehr holprig. Es gab im Sommer viele Turbulenzen und wir wussten gar nicht, ob es überhaupt weitergehen würde. Dann kam ein neuer Trainer und einige neue Spieler und es war natürlich nicht so einfach, direkt gut in die Saison zu starten. Jetzt haben wir uns einigermaßen stabilisiert und spielen ganz ordentlich (Anmerk.d.Redakt.: Das Interview wurde vor ca. 3 Wochen geführt vor der aktuellen Situation). Es ist aber natürlich noch Luft nach oben. Was meine Vertragssituation angeht, kann ich noch gar nichts sagen. Mein Vertrag läuft am Ende der Saison aus, aber ich fühle mich momentan sehr gut und kann mir gut vorstellen, auch noch weiterzuspielen.

MK: Mit Begeisterung haben wir deine tolle und erfolgreiche Handballkarriere aus der Entfernung beobachtet. Und wer hätte das in der Jugend schon gedacht, ich kann mich noch gut erinnern, als du mit meinem Bruder erfolgreich auf den Basketballkorb geworfen hast. Da hattest du u.a. auch wegen deiner Länge gute Chancen gehabt. Gab es da eine Situation oder einen Zeitpunkt, ab dem für dich klar war, dass du dich für den Handball entscheidest?

PH: Das hat sich so ergeben. Der Spaß hat für mich immer im Vordergrund gestanden. Hauptsache ich konnte etwas mit meinen Freunden machen. So kam ich auch zum Handball. Bei meiner Einschulung haben komischerweise 4 oder 5 Kinder Handball gespielt. Mit denen bin ich dann zum Training gegangen und bis heute immer dabei geblieben. Aber nebenbei habe ich auch immer gerne Fußball und Basketball gespielt. Eigentlich habe ich alles ausprobiert was mit Sport zu tun gehabt hat.

MK: Und bitte kläre einmal für alle auf, wann und wie es zu deinem Spitznamen „Pommes“ gekommen ist und dass dies nichts mit Lieblingsspeise „Pommes Frites“ zu tun hat.

PH: Die Kurzfassung: Ich war ein langer, schlaksiger Typ, 2,03m und 86 kg. Im Krafttraining konnte ich mit meinen „POMMES“ Ärmchen nicht genug Gewichte stämmen. So hat mir Alexander Acker (damals bei Eintracht Wiesbaden) diesen Namen gegeben.

MK: Lass uns bitte eine kurze Zeitreise zu deinen Anfängen vom Handball machen. Wie kamst du zum Handball, in welchem Alter hast du angefangen und kannst du dich noch an die ersten Trainingseinheiten und/ oder Trainer bei der TG Kastel (1986–1996) erinnern? Bitte erzähle uns etwas von deinen Anfängen und dem Jugendhandballer Pascal.

PH: Diese Frage habe ich ja oben schon halb beantwortet. Ich war damals 6 Jahre alt und der Trainer war der Papa einer Mitschülerin. Das war damals Herr Senjuk (wir hoffen, sein Name ist so korrekt geschrieben).

MK: Irgendwann bist du dann zum SV Kostheim (1996–1998) (auch bei Kostheim wurde eine Zeitlang mal Handball gespielt, die Älteren werden sich erinnern…) gewechselt, wie kam es dazu und wann und wie kam es dazu, dass du in der Auswahl vom Bezirk Wiesbaden gespielt hast?

PH: Auch das hat sich dann irgendwann einfach so ergeben. Wenn ich ehrlich bin war es sogar nur die Kreisauswahl Wiesbaden. In die Bezirksauswahl hab ich es damals nicht geschafft (war wohl zu schlecht). Ich habe einfach immer trainiert wenn ich konnte. Es hat mir immer richtig Spaß gemacht und irgendwann hat sich gezeigt, dass ich etwas besser war als die anderen Kinder.

MK: Gab es Situationen, Trainingseinheiten, Vorbilder und/ oder Persönlichkeiten in der Jugendzeit, die deine Entwicklung und Perspektiven stark geprägt haben? Wann war für dich klar, dass du eine Handballkarriere starten möchtest?

PH: Ich hab zwar Handball gespielt, aber so richtig interessiert hat mich das in meiner Jugend noch nicht. Also ich kannte damals vielleicht 3-4 Bundesligamannschaften. Aber beim Fußball kannte ich mich aus. Deshalb gab’s beim Handball keine Vorbilder. Aber die größten Förderer sind natürlich die Eltern. Wenn ich zurückdenke, muss ein riesen Dankeschön an all die Eltern gehen, die uns Kinder jedes Wochenende (teilweise um 9 Uhr morgens) zu den Auswärtsspielen gefahren und unterstützt haben.

MK: Wann und wodurch kam dann der Wechsel zum bekannten TuS Eintracht Wiesbaden (1998–1999)? Wie war die Entwicklung und die Trainingseinheiten in der Auswahl, was kannst du uns da berichten?

PH: In der Wiesbadener Kreisauswahl hab ich dann mit einigen Spielern von Eintracht Wiesbaden zusammengespielt. Die haben mich dann zur Eintracht gelockt. Dort konnte ich in der höchstmöglichen Liga spielen und hatte auch die Möglichkeit mit der ersten Mannschaft (damals 2. Liga) zu trainieren. Da hab ich dann natürlich auch eine Menge neuer Erfahrungen sammeln und mich weiterentwickeln können.

MK: 1999 kam dann der Wechsel zum damaligen Bundesligisten SG Wallau/ Massenheim. Warum bist du nach kurzer Zeit von Wiesbaden nach Wallau gewechselt? Hatte der damalige Trainer der 1. Mannschaft Martin Schwalb schon dein Talent entdeckt und wie war der Sprung in die 1. Mannschaft und der erste Profivertrag? Und stimmt die Story von deinem ersten Bundesligaspiel mit 5 Toren von dir und Punktabzug für Wallau, weil mit deinem Spielerpass etwas nicht in Ordnung war?

PH: Ja, diese Geschichte stimmt wirklich. Ich kam damals in der 2. Halbzeit gegen den TuS Schutterwald ins Spiel und hab 5 Tore gemacht. Leider war ich gar nicht spielberechtigt. Dieser Wechsel nach Wallau war für mich natürlich eine große Chance. Ich konnte dort in der 2. Mannschaft in der Regionalliga spielen und bei der Bundesligatruppe mittrainieren. Irgendwann hat sich dann Jan Olaf Immel verletzt und ich wurde ins kalte Wasser geworfen.

MK: In der Anfangszeit als Bundesligaspieler bei Wallau kam es auch zur Berufung in die Nationalmannschaft. Was war hier der auslösende Faktor und wie war deine Entwicklung zum Stammspieler und Leistungsträger in der Nationalmannschaft?

PH: Ich bekam damals meine Chance als junger deutscher Spieler bei Wallau. Diese konnte ich nutzen. Wir hatten eine junge deutsche Truppe und haben eine überragende Saison gespielt. So kam es dann, dass ich auch mal zur Nationalmannschaft eingeladen wurde.

MK: Ist es wahr, dass der damalige Trainer beim HSV Hamburg Bob Hanning dich nach Hamburg geholt hat? Was zog dich ins entfernte Hamburg?

PH: Im Jahr 2002 wurde der HSV Handball gegründet. Es war für mich natürlich auch eine große Chance, bei diesem Projekt fast von Anfang an mitzuwirken. Ich dachte mir, dass es bestimmt riesig wäre, in einer Stadt wie Hamburg den Handball zu etablieren. Ich hatte eine super Zeit in Wallau, aber ich wollte diesen Schritt unbedingt machen. Es hat sich wirklich gelohnt. Was sich hier in den Jahren entwickelt hat, ist der Wahnsinn. Auch wenn es ab und zu mal nicht ganz einfach ist, ist es schon sehr geil für diesen Verein zu spielen.

MK: Stimmst du mir zu wenn ich sage, dass Pascal Hens und der HSV Hamburg eine Handball-Erfolgsgeschichte sind? Auf deine ganzen Erfolge mit dem HSV und der Nationalmannschaft möchte ich hier gar nicht groß eingehen. Wer von unseren Lesern mehr darüber wissen möchte, kann dies ja gerne auf deiner einzigartigen Webseite www.pascalhens.de nachlesen. Wer hatte denn die Idee zu dieser außergewöhnlichen Webseite und wie kam es dazu, dass die Webseite mit Platz 1 ausgezeichnet wurde und einen Leserpreis gewonnen hat?

PH: Tja, da muss ich den Jungs von Kaliber 5 – der Agentur, die die Seite entwickelt hat und sich immer noch darum kümmert – meinen Dank aussprechen. Die Jungs hängen sich wirklich rein. Damals wurde sie zur skurrilsten Webseite gewählt.

MK: Doch, auf ein Ereignis in der Nationalmannschaft möchte ich noch einmal besonders eingehen. Beschreibe uns doch bitte deine persönlichen Erlebnisse, Eindrücke vom sensationellen Gewinn der Weltmeisterschaft 2007 im eigenen Land, bei dem du ja ein Leistungsträger mit den meisten deutschen Toren (47) und wichtiger Spieler in der Nationalmannschaft und beim Titelgewinn warst. Und bitte verrate uns, wer die Idee mit den „Bärten“ hatte bei der Pokalübergabe. 😉

PH: Das ist schwer zu beschreiben, das muss man erlebt haben. Die Stimmung kann man nicht in Worte fassen. Es gibt nix beeindruckenderes, als im eigenen Land Weltmeister zu werden. Alles war so groß, so laut, so unglaublich geil. Wer auf die Idee mit den Bärten kam?? Weiß ich gar nicht mehr genau. Ich glaube Blacky Schwarzer und Schorsch Baur. Und die goldenen Kronen, wurden von den Frauen organisiert und gebastelt.

MK: Deine Sprungkraft ist außergewöhnlich ausgeprägt, gibt es spezielle Trainingsmethoden oder Tipps, die dir da geholfen haben? Was war aus deiner Sicht oder für dich entscheidend, um diese Handballkarriere zu starten und was ist da im Umfeld wichtig und notwendig?

PH: Ich glaube, dass ich da etwas von meiner Sportgeilheit profitiere. Wie schon gesagt, als Kind gab es für mich nur Sport, Sport, Sport. Vielleicht hat das etwas Einfluss auf meine Sprungkraft genommen.

MK: Gibt es denn schon Überlegungen oder Pläne, was du nach der aktiven Handballkarriere machen möchtest und kommst du dann auch irgendwann wieder zurück ins Rhein-Main-Gebiet oder bleibst du mit der Familie im entfernten Hamburg?

PH: Das werden wir noch sehen. Momentan fühle ich mich noch sehr gut und ich will noch etwas Handball spielen. Wo es danach weitergeht, werden wir dann sehen.

MK: Möchtest du unseren Jugendspielern, Trainern und Vereinsverantwortlichen noch etwas mit auf den Weg geben und/ oder hast du einen Wunsch?

PH: Ich glaube das hört man aus diesem Interview ganz gut heraus. Ich finde es immer wichtig, dass man als Kind ausprobieren soll, was einem Spaß macht. Wenn man mit dem Herzen dabei ist und immer eifrig trainiert, dann kann man nix falsch machen.

MK: Pascal, herzlichen Dank für diese tollen Antworten und die tiefen Einblicke in deine Jugendzeit, deine Karriere und ich wünsche eine erfolgreiche Saison mit dem HSV Hamburg und ein glückliches Händchen bei der Zukunftsplanung.


   

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Der erste Kommentar ist online:

  • Michael Kleinmann

    WM-Sieg 2007: Die Story mit den Kronen und Bärten bei der Pokalübergabe stimmt und der Kapitän Markus „Schorsch“ Baur war der Ideengeber… 😉 gerade noch einmal bestätigt von Blacky Schwarzer!


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