Handball-Zeitung

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HBZ-Jugendförderung-Interview mit Jürgen Kleinjung

Michael Kleinmann im Handball-Zeitung-Interview mit Kleini

„Wir haben viele junge engagierte Trainer, die von meiner Erfahrung lernen können. Ich schaue mir die Trainings an, werte sie aus und bespreche das dann mit ihnen und was man evtl. verbessern kann. Dann gebe ich Anregungen und bin Ansprechpartner für Fragen. Gerade im Jugendbereich muss mehr investiert werden!“

Michael Kleinmann (MK): Hallo Kleini, du bist seit ca. 40 Jahren im Handballsport aktiv. Eine wahnsinnige Zeitspanne! Gib uns doch bitte mal ein paar Beispiele, was du so gemacht hast in dieser Zeit und wie du es schaffst, dich immer wieder für die Aufgaben zu motivieren.

Jürgen Kleinjung (JK): Ich habe in der langen Zeit sehr viele verschiedene Trainertätigkeiten ausgeübt. Hier ein kleiner Auszug:

Auswahltrainer B+A Jugend im Kreis und danach im Bezirk Wiesbaden.
Männliche B+A Jugend, weibliche B-A Jugend
Männer bis Oberliga
Frauen bis Oberliga
Talenttraining + Trainerausbildung
Beauftragter Methodik Bezirk Wiesbaden/ Frankfurt
Mitglied im Trainerkreis Rhein-Main
Ich bin ein „Handballverrückter“ im positiven Sinn. Mir macht die „Mannschaftssportart Handball“ sehr viel Spaß. Ich habe eine tolle Zeit mit Handball verbracht und dabei viele Freunde gewonnen.

Ohne Handball würde mir was fehlen!

MK: Deine Tochter Jessica spielt jetzt bei den ISCHN der SG Bretzenheim in der 3. Liga und Sandra seit 10 Jahren 2. und 1. Bundesliga. Wie ist es dazu gekommen und erzähle uns doch bitte etwas von der Entwicklung als Jugendspielerin und den Anfängen in Dotzheim.

JK: Meine Frau Heike hat in Dotzheim mit dem „Mädchenhandball“ begonnen und mit viel Initiative eine Mannschaft aufgebaut. Ich kam dann ab der B-Jugend dazu und habe das Training übernommen. Das Team hatte sich ganz toll entwickelt, spielte 3 Jahre lang in der höchsten Liga und wurde sogar in der B-Jugend Hessenmeister. Fast die komplette Mannschaft kam in die Bezirksauswahl, Jessica und Sandra auch noch in die Hessenauswahl. Dieser Zusammenhalt und Freundschaft hat bis heute noch Bestand, was ich besonders schön finde.

Sandra wechselte mit 17 Jahren in die Regionalliga nach Münster, dann kamen die Stationen Auerbach(2.Liga) Ketsch (2.Liga) und wieder Auerbach (2.Liga und Aufstieg 1.Liga). Außerdem wurde sie mit der Beach Handball Nationalmannschaft „Vize Europameister“ in Italien, für sie eine unvergessliche Erinnerung.

Jessica blieb zuerst noch in Dotzheim bei den Damen in der Bezirksoberliga, weil der Zusammenhalt ihr sehr wichtig war und die A-Jugendspielerinnen alle aktiv wurden. Ich stieg mit der Mannschaft dann mit „Null“ Minuspunkten in die Landesliga auf, holte mir einen neuen Trainer mit dem Ziel „Oberligaaufstieg“. Leider ist es uns nicht gelungen, deshalb wechselte Jessica dann nach Mainz (3./2.Liga). Nach einem Kreuzbandriss spielte sie letzte Saison in der 2. Mannschaft von Mainz in der Oberliga. Dort wurde der Aufstieg knapp verpasst und sie ist dann nach Bretzenheim gewechselt, wo sie sich wohl fühlt.

MK: Aktuell trainierst du die 2. Damenmannschaft in Bretzenheim (Oberliga) und die 2. Männermannschaft der SG Saulheim (Rheinhessenliga) und du sagst, dass dir die Jugendarbeit sehr am Herzen liegt und da betreust du noch die Saulheimer Talentförderung und machst noch die Trainerausbildung. Bitte erzähle uns was du da machst und welche Erfahrungen du da sammelst.

JK: In Saulheim gab es eine gute A-Jugend mit vielen talentierten Spielern. Was bei den meisten Vereinen nicht bedacht wird, ist die Entwicklung der 17-21 jährigen. Vorher sind sie Leistungsträger in der Jugend und spielen viel.

Jetzt sind sie in der Männeroberliga oder Rheinhessenliga und „normale Spieler“, am Anfang noch keine Leistungsträger mit weniger Spielanteilen. Der Oberligatrainer z.B. kann bei 3 Trainingseinheiten in der Woche und 16 Spielern sich nicht mehr so intensiv um die „einzelnen Spieler“ kümmern. Aber gerade in dem Alter sind sie noch nicht fertig ausgebildet und müssen noch gefördert werden und jetzt komme ich mit meinem Konzept ins Spiel.
Ich bin Mentor und Ausbilder von 10-12 Spielern im Alter von 17-21 Jahren und kümmere mich um sie. Ich trainiere diese Talente Samstags 2 Stunden sehr individuell. Dort gehen wir auf die Stärken und Schwächen jedes Einzelnen ein. Jeder Spieler bekommt in Gesprächen gesagt, wo er seine Stärken und Schwächen hat und wie wir daran arbeiten. Ich analysiere auch die Spiele und bespreche das mit ihnen. In dieser Saison werden wir das Training teilen und auch die 12-14jährigen fördern.

Zusätzlich mache ich auch Trainerausbildung der Jugendtrainer. Wir haben viele junge engagierte Trainer, die von meiner Erfahrung lernen können. Ich schaue mir die Trainings an, werte sie aus und bespreche das dann mit ihnen und was man evtl. verbessern kann. Dann gebe ich Anregungen und bin Ansprechpartner für Fragen. Gerade im Jugendbereich muss mehr investiert werden!

Zwei bis drei mal im Jahr mache ich noch in Saulheim eine Trainerfortbildung oder ein „Trainingsevent“. Das Konzept kommt bei den Jugendlichen sehr gut an, sie entwickeln sich weiter und sind umsorgt und gefördert.

MK: Eine weitere Aufgabe im Jugendbereich hast du auch noch. Du bist auch im Bezirk Wiesbaden/ Frankfurt der Beauftragter Methodik für die Jugend. Was machst Du in dieser Position und welche Aufgaben hast du da?

JK: Generell bin ich für den sportlichen Bereich in der Jugend für den Bezirk verantwortlich. Dazu gehören u.a. die Auswahlmaßnahmen, die Auswahltrainer, Trainingsinhalte, Methoden, Trainerausbildung etc.

Bei dem großen Bezirk ist das alleine fast nicht möglich, deshalb habe ich mit Andreas Braun (Aus- und Weiterbildung) und Tim Bachmann (Auswahlwesen) zwei sehr gute Mitarbeiter.

MK: Du hast mir berichtet, dass es alarmierende Zahlen der Jugendhandballer in Hessen gibt. Es gibt eine Statistik vom Verband, die besagt das von vielen Jugendspielern sehr viele nicht in die Aktiven Karriere übergehen. Wie siehst du und bewertest diese Entwicklung und welche Maßnahmen müssen da von Vereinsseiten getroffen werden.

JK: Diese Entwicklung ist sehr schade und bedauerlich. Wir müssen als Verein/ Trainer umdenken. Früher sind wir im „Entengang“ durch die Halle gejagt worden, das geht heute nicht mehr.

Im Zeitalter der Handys, PC Spiele, Facebook, Sportstudios etc. ist es ganz wichtig, den Jugendlichen ein gezieltes Training mit Spaß und Abwechslung anzubieten. Wir müssen sie motivieren und den Spaß am Handball vermitteln.

MK: Kannst du uns und den Jugendspielern/ Jugendtrainer noch ein paar Tipps aus deiner Erfahrung und Aufgaben geben?

JK: An die Trainer: Seid motiviert und engagiert, die Spieler merken das. Bildet euch weiter, fragt Trainerkollegen, schaut andere Trainings an, gebt sinnvolle Kritik und spart auch nicht mit Lob.

Ganz wichtig ist auch der „Kopf und die Seele“, vergesst das nie!

In der Jugend, wo das Leistungsgefälle noch hoch sein kann, ist jeder Spieler wichtig und wertvoll, auch der „Schlechteste“. Kümmert Euch um ALLE gleich.

An die Spieler: Fehler sind nicht schlimm und können auch gemacht werden. Wichtig ist, dass man aus den Fehlern lernt. Sprecht bei Problemen mit den Trainern/ Mitspielern.

Macht im Training/ Spiel mit und nicht gleich aufgeben, wenn was nicht klappt. Freut euch, dass ihr Handball spielen könnt, es ist eine tolle Sportart.

MK: Spontan fällt mir ein, ob du auch Lust hast, mal ein Jugendtrainer-Wochenende für die Handball-Zeitung zu machen, wo man sich intensiv mit dem Thema „Jugendhandball“ beschäftigt? Ich würde natürlich bei der Organisation und Planung helfen.

JK: Wenn es meine Zeit zulässt gerne. Es gibt so viele Tipps und Anregungen, dafür ist das Interview zu kurz. Ich gebe schon seit Jahren Trainerfortbildung und ein Thema ist die „Entwicklung des Handballs“ und was wir tun müssen.

Ich wünsche allen weiterhin viel Spaß beim Handball und bleibt dabei!


   

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Es gibt 2 Kommentare zu diesem Artikel:

  • Michael Franz

    Ja, der „Turbo-Kleini“… – Super-Multi-Engagement seit vielen Jahren, Respekt!

    „Ganz wichtig ist auch der „Kopf und die Seele“, vergesst das nie!“ gefällt mir besonders gut – gilt das z.B. auch in der Jugend-Bundesliga?
    Wir müssen wohl Jugendbasisarbeit wie auch Talentförderung anders, umfassender, gesamtheitlicher angehen! Und auch einen zeitgemäßen Kommunikations- und Führungsstil pflegen – ohne zeitlos gültige Prinzipien und Werte über die Seitenlinie ins Aus zu werfen…

  • Günni Rodius

    Wo bleibt die Anschlussförderung, außer bei so wenigen Koryphäen wie dem unermüdlichen Kleini in Saulheim?

    Mein Kommentar zu diesem Artikel vor drei Jahren ist thematisch leider nach wie vor aktuell.


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