Handball-Zeitung

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HBZ-Jugendförderung-Interview mit Arno Jung, Jugendkoordinator und Team-Manager der HSG Wetzlar und HSG Dutenhofen-Münchholzhausen

Michael Kleinmann im Handball-Zeitung.de-Interview mit Arno Jung

„Wer Talent und die richtige Einstellung hat, der soll bei uns von den Trainern und dem Umfeld her auch den Weg in die Spitze gehen können.“

Historie der HSG Wetzlar:
1904 wurde der TSV Dutenhofen und 1909 der TV Münchholzhausen gegründet. Aus den traditionsreichen Handballabteilungen dieser beiden Wetzlarer Stadtteil-Vereine wurde 1992 die „Handballspielgemeinschaft Dutenhofen/ Münchholzhausen“ gebildet, der Stammverein der HSG Wetzlar. Seit der Saison 1999/2000 startet die Bundesliga-Mannschaft des Vereins unter dem Namen „HSG D/M Wetzlar“, der im Frühjahr 2004 in „HSG Wetzlar“ geändert wurde.
Wirtschaftlicher Träger ist seit dem 01.07.2001 die „HSG D/M Wetzlar Handball Bundesliga Spielbetriebs GmbH & Co. KG.“ – ebenfalls geändert in „HSG Wetzlar Handball Bundesliga Spielbetriebs GmbH & Co. KG“.
Link zur Historie und Entwicklung

HSG Dutenhofen/ Münchholzhausen:
Der TSV Dutenhofen e.V. gegründet 1904 und der TV „Gut Heil“ 1909 Münchholzhausen e.V. sind nicht nur Nachbarvereine aus zwei ehemaligen Nachbargemeinden, sondern Vereine mit einer weitreichenden Tradition. Diese Vereine hatten und haben noch mehrere Sparten. Der Ursprung, wie auch sonst, war von Turnvater Jahn geprägt und hatte die Ursportart Turnen und Leibesertüchtigung.
Am 23.03.1992 wurde dann die Satzung von beiden Vorständen zur HSG Dutenhofen/ Münchholzhausen unterschrieben.
Link zum Leitbild und den Vereinszielen

Michael Kleinmann (MK): Hallo Arno, du betreust die beiden verantwortlichen Position Jugendkoordinator und Team-Manager im Verein. Bitte stell deinen Werdegang im Handball und die Aufgaben im Verein kurz vor.

Arno Jung (AJ): Hallo Michael, hier ein paar kurze Impressionen von meinem langen Werdegang im Handball. Mein Stammverein ist die SG Kleenheim. Mein Jahrgang ist 1958, Handballer bin ich seit 1967, Trainer seit 1977 und die A-Lizenz habe ich seit 1989. Im Jahr 2011 habe ich diese nochmal gemacht, da ich 2004-2011 pausiert habe. Meine verschiedene Trainerstationen in Mittelhessen sind die männliche und weibliche Jugend, Männer (bis 3. Liga/ Regionalliga) und Frauen (bis 1. Liga). In den Vereinen (HSG Wetzlar und HSG Dutenhofen/ Münchholzhausen) habe ich aktuell drei Funktionen. Ich bin Trainer der Bundesliga-A-Jugend (seit Juli 2011),  Jugendkoordinator (seit Januar 2012) für den männlichen Nachwuchs und Team-Koordinator (September 2013 – Ende Mai 2014).

MK: Die Jugendarbeit ist weit über die Grenzen im Kreis Gießen/ Wetzlar bekannt. Kannst du uns bitte einen kurzen Einblick geben in die erfolgreiche Jugendarbeit?

AJ: Die A-, und B-Jugend trainiert täglich 90 bis 120 Minuten. Zum wöchentlichen Trainingsprogramm gehören da z.B. auch das Langhanteltraining 2x pro Woche mit einem Athletiktrainer, und ein Leichtathlet lehrt „Sprint und Sprung“, und zwar jede Woche mindestens 30 Minuten. Wir sind dabei, in den jüngeren Jahrgängen noch weitaus konsequenter auf die Grund-Ausbildung Wert zu legen: in Abwehr wie Angriff ein sauberes 1:1 ohne und mit Ball, technisch korrekte Pässe und Würfe, Basics im 2:2 in die Breite und in die Tiefe – dann wäre schon sehr viel geholfen! Im Endeffekt reduziert sich doch alles, definitiv alles, auf diese Elemente. Da können 98 Auslösehandlungen vorgeschaltet werden, Flic-flac inclusive. Wichtig ist natürlich auch die Persönlichkeitsentwicklung, das Zusammenspiel in einer Mannschaft, der Umgang mit Erfolg und Misserfolg, die Ausdauer über Jahre, die Entwicklung von kreativen Problemlösungen, die Koordination von sportlichem und schulischem Erfolg.

MK: Was macht ihr da besonderes? Wie ist die Verknüpfung vom Breiten- und Jugendverein zum Bundesligateam? Wie schafft ihr es die talentierten und motivierten Jugendspieler so auszubilden, dass sie erfolgreich den Sprung in das Bundesligateam schaffen?

AJ: Wir haben genaue Vorstellungen davon, was beim Übergang in den Aktiven-Bereich vorhanden sein muss/ sollte. Nicht nur technisch, taktisch und athletisch, sondern auch von der Persönlichkeitsentwicklung her. Und da versuchen wir die Jugendlichen hinzubringen. Und wir haben im Verein nun mal den Fixpunkt 1. Liga, daran richten wir die Jugendarbeit aus. Wer Talent und die richtige Einstellung hat, der soll bei uns von den Trainern und dem Umfeld her auch den Weg in die Spitze gehen können. Konkret sieht es so aus, dass immer dann, wenn es an Personal in der Ersten Mannschaft fehlt, wir das eigentlich ganz gut kompensieren können aus U23, U19 und U17. Matthias Schwalbe z.B., Linkshänder der U17, hat schon zahlreiche Trainingseinheiten in der Ersten Mannschaft absolviert. Und Moritz Zörb (Kreisläufer, Jg. 95) hat schon 9 Spiele absolviert, Stefan Hanemann (Torwart, Jg. 96) hat sein Debut diese Saison in Hamburg vor 6.500 Zuschauern gegeben. Jeden Tag trainiert U19/U17 direkt nach der Ersten, da gibt es natürlich den persönlichen Kontakt sowohl innerhalb der Spieler als auch innerhalb des Trainerstabes. So gesehen haben wir strukturell einiges bewegt in den letzten 3 Jahren.

MK: Was kannst du uns über die tollen Jugendcamps berichten, die eine Anlaufstelle für viele Jugendspieler der Region geworden sind und sehr schnell ausgebucht ist? Wen bindet ihr im Verein da alles mit ein?

AJ: Die HSG Dutenhofen/ Münchholzhausen organisiert die gesamte Veranstaltung, akquiriert Sponsoren und sorgt für einen geregelten Ablauf. Die sportliche und inhaltliche Struktur wird von Jochen Beppler und mir erarbeitet. Und die Durchführung übernehmen dann die verschiedenen Trainer des Vereins. Wir hatten dieses Jahr 4 Stationen pro Tag, eine wurde von den Trainern der C/D/E-Jugend, eine von den Trainerinnen aus dem Frauenbereich und eine von meinen U19-Spielern betreut, die damit zugleich Erfahrungen aus einem anderen Blickwinkel sammeln konnten. Und dann gab es noch eine Station „unsportlich“, da ging es einen Tag lang um „Cybermobbing“, einen Tag um „Teambuilding“/ Umgang mit Fehlern.

MK: Welchen Stellenwert hat bei euch das jährlich verliehene Jugendzertifikat?

AJ: Es ist jedes Jahr eine elende Plackerei, die ganzen Unterlagen zusammenzustellen. Einen großen Komplex bildet die Zusammenarbeit mit den Schulen, da können Außenstehende gar nicht ermessen, welcher Aufwand damit verbunden ist. Aber: du hast damit eine Richtschnur, an der du deine Arbeit orientieren kannst. Und wir haben es 2013 und 2014 erhalten, das ist dann schon ein Highlight im Jahresverlauf, wenn die Info von der HBL aus Dortmund kommt.

MK: Die HSG Wetzlar schafft es seit Jahren und weit über die Region hinaus ein großes Interesse für den Handball bei den Fans zu entwickeln. Aktuell wieder mit steigenden Zahlen bei den Zuschauern und Sponsoren. Was ist da das Besondere in der eher ländlich geprägten Region Mittelhessen?

AJ: In Dutenhofen selbst haben wir ja die Halle mit damals 1.800 Zuschauern nicht annähernd immer rappelvoll gehabt. Und jetzt ist in der Rittal-Arena der Schnitt in dieser Saison nochmal gestiegen, auf über 4.100 pro Spiel, die Auslastung liegt damit bei etwa 93%. In der gesamten Saison blieb kein einziger Sitzplatz leer. Dazu trägt natürlich die Arena selbst bei, sie ist einfach perfekt auf diese Anforderung zugeschnitten. Und dann der Erfolg in der Vor-Saison mit Platz 7. Und dann vielleicht der nette Herr Balic mit seinen Wahnsinns-Aktionen. Und ein gesellschaftliches Ereignis in der heimischen Region ist es natürlich schon. Und die Konkurrenz ist überschaubar: USC Gießen Volleyball ist nur der Kukident-Generation noch ein Begriff, Frauenhandball – ein Schatten früherer Zeiten, die Basketballer der Gießen 46ers 2013 in die ProA abgestiegen, und last but not least: der TV Hüttenberg macht schwere Zeiten durch. Zum Glück wird da weiter Zweitliga-Handball gespielt!

MK: Der Verein entwickelt ein eigenes Scoutingsystems, was kannst du uns darüber berichten?

AJ: Das ist erst im Entstehen begriffen. Wir wollen auf allen Feldern weg von der Abhängigkeit von Personen und hin zu einer nachhaltigen Struktur. In Kürze soll es also im Jugendbereich anspruchsvoll weitergehen, ob die handelnden Personen nun Jochen Beppler und Arno Jung heißen oder andere Namen tragen. Und das Scouting soll eine Unabhängigkeit herstellen von den aktuellen Trainern bzw. von einzelnen Spieler-Beratern. Es soll vielmehr eine Spiel-Philosophie der HSG Wetzlar geschaffen werden, die dann von den handelnden Personen „nur noch“ umgesetzt werden müssen. Aber bis dahin ist noch ein weiter, weiter Weg.

MK: Kannst du uns bitte 1-2 praktische Beispiele geben aus dem Scoutingsystem, was ihr für die Zukunft entwickelt?

AJ: An 1. Stelle steht bei uns das Scouting im eigenen Verein, und z.B. mit Lukas Gümbel (Jg. 97) hat jetzt ein Spieler durchaus eine exzellente Perspektive, dessen Elternhaus 200m von der Dutenhofener Sporthalle entfernt liegt. Und die entsprechenden Maßangaben der 3 Mitglieder des erweiterten Erstliga-Kaders 2014/2015 lauten: Fabian Kraft (Jg. 93/ Dutenhofen/ 100m), Moritz Zörb (Jg. 95/ Lützellinden/ 5 km) und Stefan Hanemann (Jg. 96/ Wetzlar/ 8 km).
Man kann über die neuen Medien-Zugänge (Sportlounge z.B.) sich ebenso einen Überblick verschaffen wie durch persönliche Eindrücke, die wir in der 1. Liga und der Jugend-Bundesliga mit eigenen Mannschaften, in der 2. Liga „vor der Haustür“ in Hüttenberg sammeln. Natürlich sind wir auch beim Rookie-Cup und beim 8-Nationen-Turnier der A-Jugend mit offenen Augen unterwegs. Da braucht man noch nicht mal irgendwohin zu jetten. Und diese Beobachtungen gilt es dann zusammenzutragen, zu bewerten und dann gezielt zu vertiefen.

MK: Hast du noch etwas Besonderes für uns?

AJ: Ja, ein Lob für die Wiesbadener Handballer! Die A-Jugend hat eine super Saison gespielt, und die Konsequenz, mit der der Drittliga-Aufstieg geschafft wurde – Respekt! In Gelnhausen in der Crunchtime dem Mittelblock Schuhmacher/ Pareigis Verantwortung zu übertragen, ist a) Können der Beteiligten und b) Mut des Trainers! Oder umgekehrt.


   

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