Handball-Zeitung

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HBZ-Jugendförderung-Interview mit Klaus Gärtner, Leiter des Handballförder-Zentrum Kronau, Jugendkoordinator und Trainer der SG Kronau/ Östringen

Michael Kleinmann im Handball-Zeitung.de-Interview mit Klaus Gärtner

„Wir wollen die Talente aus unserem Einzugsgebiet optimal fördern, dazu gehören die Säulen Sport, Schule/ Beruf und Soziales. Wir versuchen unsere Jungs optimal auf den Leistungssport und das Leben vorzubereiten.“

Die SG Kronau/ Östringen:
Im Jahr 2002 schlossen sich die Herrenmannschaften der TSG Kronau e.V. und des TSV Baden Östringen e.V. zur SG Kronau/ Östringen zusammen.
Nach dem Zusammenschluss folgte der Aufstieg in die erste Handballbundesliga gleich das Jahr darauf. Zwar musste ein Jahr später nochmals der Weg in die Zweite Liga angetreten werden, der Wiederaufstieg folgte jedoch prompt.
2005 schlossen sich dann auch noch die restlichen Erwachsenen- und Jugendmannschaften der SG an. Die Umbenennung der ersten Herrenmannschaft in die Rhein-Neckar Löwen GmbH erfolgte 2007.
In der Saison 2013/14 gehen insgesamt 22 Mannschaften unter dem Namen SG Kronau/ Östringen an den Start.

Das Handballförderzentrum (HFZ) in Kronau:
Das Handballförderzentrum verfügt über optimale Möglichkeiten die sportliche Ausbildung leistungsorientierter Spieler im Jugendhandball gezielt voranzubringen. Es ist deren Ziel, die jungen Handballer so auszubilden, dass sie möglichst höchsten Ansprüchen genügen. Entsprechend der Vorstellungen einer ganzheitlichen Förderung legen die verantwortlichen des HFZ natürlich großen Wert auf die schulische Ausbildung, sowie auf das Sozialverhalten im Team und die Entwicklung der Persönlichkeit.

Michael Kleinmann (MK): Hallo Herr Gärtner, es ist sehr beeindruckend, was Sie im Jugendbereich der SG Kronau/ Östringen machen und welches Handballförderzentrum da in der 5000 Einwohner Gemeinde Kronau im Landkreis Karlsruhe aufgebaut wurde. Welche Zielsetzungen haben Sie mit der guten Jugendarbeit und Förderung im Verein, auch im Hinblick auf die Rhein-Neckar Löwen?

Klaus Gärtner (KG): Vielen Dank. Wir wollen die Talente aus unserem Einzugsgebiet optimal fördern, dazu gehören die Säulen Sport, Schule/ Beruf und Soziales. Wir versuchen unsere Jungs optimal auf den Leistungssport und das Leben vorzubereiten. Natürlich hoffen wir, dass der eine oder andere den Sprung in die Mannschaft der RNL schafft. Allerdings reden wir von einer der besten Mannschaften in Europa. Die Hürde ist also entsprechend hoch. Deswegen versuchen wir auch immer unser Ausbildungskonzept zu hinterfragen und weiter zu entwickeln. Nicht nur unsere Spieler müssen den Willen haben jeden Tag besser zu werden, auch wir als Verantwortliche und Trainer müssen dies jeden Tag in der Praxis umsetzen.

MK: Können Sie uns etwas über die Entstehung des Handballförderzentrum erzählen, mit welchem Budget dieses Projekt realisiert werden konnte und wie es finanziert wurde? Welchen Anteil hat da die Dietmar Hopp-Stiftung?

KG: Das HFZ entstand 2008 auf die Initiative von Rolf Bechtold. Ohne die Finanzierung der Dietmar Hopp-Stiftung wäre eine Realisierung dieses Projekts nicht möglich gewesen. Entsprechend dankbar sind wir alle für die Unterstützung durch die Dietmar Hopp-Stiftung.

MK: Sie arbeiten im Team vom Handballförderzentrum. Wie haben Sie die verschiedenen Aufgaben aufgeteilt und welchen Bereich haben Sie übernommen?

KG: Wir haben mit Rolf Bechtold einen sportlichen Leiter, der die grundsätzliche sportliche Ausrichtung des HFZ vorgibt. Zu dem kümmert er sich gemeinsam mit Geschäftsführer Lars Lamade um alle finanziellen Angelegenheiten des HFZ. Dazu haben wir neben mir mit Sabrina Mächtel eine hauptamtliche Kraft, die den kompletten organisatorischen Bereich für alle Mannschaften koordiniert. Die Betreuung der Internatsspieler übernehmen neben Rolf Bechtold, Waltraud Hecker und ich.

MK: Seit wann gibt es das Internat und wie viele Plätze hat es? Für welche Spieler ist dieses Internat gebaut und eröffnet worden? Was fällt da an Kosten pro Internatsplatz an und wer kommt dafür auf?

KG: Das Internat gibt es ebenfalls seit 2008 und wir haben 12 Plätze. Das Internat wurde zum einen für Spieler aus dem Badischen Handballverband gebaut, die hier den Sport optimal mit ihrer schulischen Entwicklung verbinden können. Zum anderen ist unser Internat auch für alle Talente aus Süddeutschland zugänglich. Die Kosten für einen Internatsplatz werden anteilig von Eltern der Spieler übernommen. Dazu fördern die Rhein-Neckar Löwen und die Dietmar- Hopp-Stiftung die Internatsplätze durch Stipendien.

MK: Die 4 Säulen vom Handballförderzentrum sind Sport, Schule, Beruf, Soziales und vom HFZ wie folgt definiert.

Sport: „Mannschaftsziel Zukunft”
Für den Willen, nicht nur auf dem Spielfeld Erfolgsstrategien zu entwickeln, braucht es einen festen Rahmen. Im Handballförderzentrum leisten wir Jugend- und zeitgemäße Talentförderung der uns anvertrauten Spieler, sowohl im Breitensport, wie auch im Leistungsbereich. Wir arbeiten mit einer ausbildungsorientierten Spielphilosophie auf der Basis einer ständigen Qualifizierung und Weiterbildung unserer Jugendtrainer. Dabei ist die Maxime unseres Handelns, dass die sportliche Entwicklung eines Jugendlichen nur im Zusammenspiel mit einer ganzheitlichen Förderung des Einzelnen umsetzbar ist.

Schule/ Beruf: „Fördern und Fordern”
Nach dem Prinzip „fördern und fordern“ machen wir unsere Jugendlichen im Förderzentrum in Kronau fit für den schulischen Alltag und beruflichen Einstieg. Unterstützung und Förderung in schulischen Belangen ist uns dabei genau so wichtig wie eine enge Begleitung der Jugendlichen beim beruflichen Einstieg. Im Vordergrund steht dabei eine Verbesserung der ganzheitlichen Bildung – die Voraussetzung für einen erfolgreichen Schulweg und Berufseinstieg.

Soziales/Kultur: „Gemeinschaft bereichert”
„Das Maß aller Dinge ist der Mensch“, dieses Motto der Dietmar-Hopp-Stiftung greift vor allem in den Bereichen Soziales und Kultur. Ziel der Arbeit ist hierbei eine Ausbildung, Stärkung und Verbesserung der sozialen Kompetenzen und Eigenverantwortlichkeit der Jugendlichen zu erreichen. Das soziale Bewusstsein und eine ganzheitliche Persönlichkeitsentwicklung stehen dabei im Mittelpunkt. Die Jugendlichen sollen lernen Hemmnisse zu Menschen so genannter sozialer Randgruppen abzubauen, Kontakte zu knüpfen und Erfahrungen auszutauschen. Diese soziale Bildung ist dabei Garant dafür, dass die Jugendlichen alltägliche Hürden überwinden und lernen Brücken zu bauen.

Herr Gärtner, beschreiben Sie unseren Leser/innen doch bitte, wie das in der Praxis läuft und welche positiven Erfahrungen Sie da mit den Jugendspielern sammeln können.

KG: Aus Handballsicht bedeutet dies, dass wir versuchen unsere Spieler individuell sehr gut auszubilden, allerdings müssen unsere Spieler da aus der Konsumenten-Rolle raus. Wir möchten, dass sie an ihrem Entwicklungsprozess teilhaben. Das sie selbst Defizite erkennen und versuchen diese gemeinsam mit den Trainern zu verbessern. Neben der sportlichen Entwicklung machen wir den Spielern bewusst, wie wichtig eine gute Schulausbildung ist. Wir kontrollieren die Zeugnisse und wir reduzieren das Training, wenn die schulischen Leistungen nicht stimmen. Auf der sozialen Ebene versuchen wir gemeinsam mit unserem Kooperationspartner „Anpfiff ins Leben“ immer wieder Kontakt zwischen Behinderten und unseren Sportlern herzustellen. Wir machen gemeinsame Ausflüge oder Trainingseinheiten.

MK: Die A-Jugend hat den zweiten Platz beim Rookie-Cup 2014 über Ostern in Berlin erreicht und musste sich im Finale nur knapp den Füchsen Berlin geschlagen geben. Eine tolle Leistung bei dem Turnier der besten A-Jugendmannschaften. Waren Sie auch dabei und was gibt es da besonderes zu berichten?

KG: Ich war leider nicht mit in Berlin. Unsere Mannschaft hat sich aber sehr gut verkauft. Wenn man bedenkt, dass das Team mittlerweile auf drei Leistungsträger aufgrund von schweren Verletzungen verzichten muss, ist diese Leistung sehr positiv zu bewerten. Fast alle unsere A-Jugendspieler haben in dieser Saison schon in der 3.Liga gespielt. Einige sind auf einem sehr guten Weg in der Entwicklung.

MK: Die SG hat auch ein neues Projekt ins Leben gerufen „offenes D-Jugend-Fördertraining“. Wie ist das entstanden und was möchten Sie damit erreichen?

KG: Dieses Konzept ist nicht neu, dass gab es schon einmal bei uns. Wir haben das im Zuge unserer neuen Ausrichtung im Kinderhandball wieder ins Leben gerufen. Wir versuchen mit dieser zusätzlichen Trainingseinheit die Talente der Region zu fördern ohne sie sofort in unseren Verein zu holen. Wir wollen in den nächsten Jahren die Vereine der Region, also die Basis für unsere Leistungsmannschaften, mitnehmen und klar das Ziel für ein miteinander. Dazu werden wir noch auf die Vereine und ihre Trainer zu gehen und versuchen unsere Arbeit transparenter zu machen.

MK: Können Sie evtl. aus dem Trainingsalltag den regionalen Jugendmannschaften, Trainern und Spielern ein paar Tipps geben? Welche Punkte finden Sie im Bereich der Jugendentwicklung im Handball besonders wichtig?

KG: Ich denke, dass man als Trainer den Jugendlichen die Werte wie u.a. Ehrlichkeit, Toleranz und Verantwortung vermitteln sollte. Jeder muss sich seiner Vorbildfunktion bewusst sein. Dazu kommt natürlich die sportartspezifische Ausbildung. Handball reduziert sich immer wieder auf 1gg1- und 2gg2-Situation, dass ist natürlich die Grundlage unseres Spiels. Gewinnen kann jeder Spieler aber nur im Team und der geschlossenen Mannschaftsleistung.

 


   

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