Handball-Zeitung

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HBZ-Jugendförderung-Interview mit Mark Schober, Mitglied der Geschäftsleitung, im Ausschuss des Zertifikats und Verantwortlicher der Handball-Bundesliga für das Jugendzertifikat 2014

Michael Kleinmann im Handball-Zeitung.de-Interview mit Mark Schober

„Ziel des Jugendzertifikats ist die Sicherung qualitativer und kontinuierlicher Fort- und Weiterentwicklung von Talenten in den Profivereinen. So sollen für deutsche Nachwuchsspieler bestmögliche Vorrausetzungen geschaffen werden, um in ihren Klubs zu Spitzenspielern reifen zu können.“

Die Handball-Bundesliga zeichnet für 2014 zum siebten Mal Vereine mit hervorragender Qualität in der Jugendförderung, mit dem Zertifikat „Exzellente Jugendarbeit“ aus.
Dieses Jugendzertifikat ist für die 38 Handball-Clubs (18 erste- und 20 zweite Liga) der 1. und 2. Handball-Bundesliga. Für das Zertifikat 2014 haben sich 16 Vereine der 1. Liga und 11 der 2. Liga einen Antrag und Unterlagen eingereicht.

Richtlinien zur Erteilung des Jugendzertifikats der Handball-Bundesliga als PDF zum Download mit „Speichern unter“

Michael Kleinmann (MK): Hallo Herr Schober, Sie sind verantwortlich für das Jugendzertifikat und im Ausschuss des jährlichen Zertifikats, vielen Dank das Sie sich für unser Interview die Zeit genommen haben. Bitte geben Sie uns kurz ein paar Informationen zu ihrer Person und dem Bezug zum Handball.

Mark Schober (MS): Ich darf mich hier bei uns unter anderem um die Sportentwicklung kümmern, so nennen wir das. Der sportliche Erfolg und im Besonderen der Erfolg der Nationalmannschaft ist ein wichtiger Erfolgsfaktor, wenn wir das Interesse der Menschen an unserem Sport steigern möchten. Dabei soll das Jugendzertifikat helfen. Ich bin Handballer, war B-Lizenztrainer, Schiedsrichter und Funktionär seit meiner Jugend, daher passt der Aufgabenbereich auch gut. „Nebenbei“ mache ich noch das Medienmanagement, Vertrieb, Events und Marketing.

MK: Seit wann gibt es das Jugendzertifikat und wer und was wird da gemacht?

MS: Gegründet wurde es 2007 und ist dieses Jahr zum siebten Mal seit 2008 verliehen worden. Wir schaffen damit in den 38 Clubs der 1. und 2. Liga die Grundlage Deutsche Topsspieler auszubilden, indem Vereine, die das Zertifikat beantragen, definierte Kriterien erfüllen müssen. Für 2014 haben sich 16 Vereine der 1. Liga und 11 Vereine der 2. Liga mit den Antrag und Unterlagen beworben.

MK: Wer ist ausgezeichnet worden?

MS: Der Ausschuss hat dieses Jahr 15 1.Liga- und 9 2.Ligavereine, teilweise unter Auflagen und geknüpft an Bedingungen ausgezeichnet. Diese sind…
1. Handball-Bundesliga: SG Flensburg-Handewitt, Rhein-Neckar Löwen, HSV Handball, Füchse Berlin, TSV Hannover-Burgdorf, SC Magdeburg, TBV Lemgo, TuS N-Lübbecke, VfL Gummersbach, Frisch Auf Göppingen, HSG Wetzlar, TSV GWD Minden, ThSV Eisenach, HBW Balingen-Weilstetten, Bergischer HC
2. Handball-Bundesliga: EHV Aue, Eintracht Hildesheim, HC Erlangen, SC DHfK Leipzig, SG BBM Bietigheim, TSG Friesenheim, TV 05/07 Hüttenberg, Tusem Essen, HC Empor Rostock

MK: Sie sagen der Ausschuss hat die Zertifikate verliehen. Wer ist in diesem Ausschuss und bitte geben Sie uns doch noch ein paar Einblicke in die Auswahlverfahren, Kriterien etc.

MS: Der Ausschuss, der das Zertifikat jährlich vergibt, besteht aus Professor Dr. Klaus Cachay (Universität Bielefeld), Klaus Langhoff (Olympiasieger 1980 als Trainer, DHB-Trainer) und einem Mitglied der Geschäftsführung der Handball-Bundesliga.
Ein paar Einblicke in die Ausschussarbeit möchten Sie noch haben. Die Clubs beantragen das Zertifikat bis 30. September eines Jahres. Die geforderten Kriterien werden dann von uns überprüft. Dazu dienen Bestätigungen, Verträge aber auch Recherchen und Nachfragen unsererseits. Bei mindestens 10% der Antragssteller, dieses Jahr waren es 4 Vereine, führen wir vor Ort Besichtigungen und Gespräche mit den Verantwortlichen durch.

MK: Welche Ziele hat der Ausschuss mit dem Zertifikat?

MS: Das sind nicht die Ziele des Ausschuss, sondern der Bundesligaclubs, die sich dieses Regulatorium selbst gegeben haben. Ziel des Jugendzertifikats ist die Sicherung qualitativer und kontinuierlicher Fort- und Weiterentwicklung von Talenten in den Profivereinen. So sollen für deutsche Nachwuchsspieler bestmögliche Vorrausetzungen geschaffen werden, um in ihren Klubs zu Spitzenspielern reifen zu können. Bereits 2007 hatten sich alle Clubs der einstimmig für das anspruchsvolle Vergabeverfahren des Jugendzertifikates ausgesprochen.

MK: In den Jugendzertifikatsrichtlinien steht, dass die Vereine sich verpflichten, Gelder in den „Fonds für die Nachwuchsarbeit im Handballsport“ einzuzahlen. Vereine, die das Zertifikat nicht bekommen oder nicht beantragen verpflichten sich 1% der Jahresbruttolohnsumme und/oder mindestens 1. Liga 9500,-€ und 2. Liga 2500,-€ in den Fonds einzuzahlen. Wie läuft das, in welcher Höhe und für was werden die Gelder verwendet?

MS: Die Gelder verwenden wir für Maßnahmen, die allen Clubs der Bundesligen oder dem Spitzenhandball im allgemeinen zu Gute kommen. Letztlich geht es auch dabei in den allermeisten Fällen um Maßnahmen für die Entwicklung von Toptalenten. Wir finanzieren damit beispielsweise den Rookie Cup, Projekte der Nachwuchseliteschiedsrichter, das Projekt „Handball Stars go school“, Trainerfortbildungen z.B. speziell für Trainer im Anschlusskaderbereich, Maßnahmen für die B-Nationalmannschaft und Qualitätsaudits. Bei letzteren schicken wir Experten in die Clubs, welche in drei Tagen deren Arbeit monitoren und den Verantwortlichen Rückmeldung für Verbesserungspotentiale geben. Es geht dabei nicht um eine Kontrolle, sondern um ein Qualitätsmanagement-Tool, welches die Verantwortlichen berät. Das kommt sehr gut an, das möchten wir ausbauen.

MK: Wie sehen Sie die regionale Förderung des Handballnachwuchses und der Talente?

MS: Für eine funktionierende Spitzenförderung benötigt man auch eine entsprechende Breite. Wir bilden ja bereits an fast 38 Standorten aus, dazu kommen viele unterklassige Vereine und die Landesverbände. Wir müssen bei der Entwicklung einzelner Spieler immer im Sinne des Spielers handeln. Das geht gemeinsam mit den Landesverbänden, dem DHB, den Bundesligaclubs und unterklassigen Vereinen. Der DHB geht diesen Weg und wir werden ihn mitgehen. Es ist und bleibt eine Herausforderung aller Beteiligten, dass auch kleinere Clubs weiter ausbilden und es ein ausgewogenes Geben und Nehmen bleibt.

MK: Haben Sie noch etwas für uns?

MS: Ja, wir arbeiten aktuell in einer Arbeitsgruppe an der Weiterentwicklung des Zertifikats. Dabei geht es uns darum, den Fokus stärker auf den Anschlussbereich und die Qualität zu legen, Bürokratie abzubauen und gegebenenfalls Abstufungen unterschiedlicher Qualitätsniveaus vornehmen zu können. Die oben genannten Qualitätsaudits werden dabei sicher eine Rolle spielen. Grundsätzlich halten wir aber am Gedanken des Zertifikats fest. Wenn ich sehe, was wir da in den letzten 7 Jahren erreicht haben, dann können wir alle gemeinsam sehr stolz sein. Sehr sehr viele Clubs machen eine sehr gute Arbeit.

MK: Vielen Dank für das Interview.


   

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